Galahad
EMPIRE Of Prog Festival
, Ramstein, 02.05.2026
 


     

Die britische Band Galahad gehört zur zweiten Generation des Progressive Rocks. Die Band entstand 1985 ursprünglich nur zum Spaß. Anfangs bestand ihr Repertoire zur Hälfte aus Coverversionen (Genesis, Led Zeppelin, Rush, Black Sabbath, Focus, Marillion usw.) und zur Hälfte aus Eigenkompositionen. Die Band beschloss dann aber schnell ausschließlich Eigenkompositionen zu spielen, was schließlich im Jahr 1991 zu ihrem Debütalbum „Nothing Is Written“ führte, das vollständig selbst finanziert und unabhängig veröffentlicht wurde.

     

    

Seit dieser Zeit sind zahlreiche Alben erschienen, teils auch mit mehrjährigen Unterbrechungen. Ein Highlight in ihrem Katalog stellt das 2007 erschienene Album „Empires Never Last“ dar, dass die Band in eine härtere, kraftvollere und gitarrenlastigere Richtung führte und brachte der Band bei den Classic Rock Society Awards 2007 die Auszeichnung „Album des Jahres“ ein.

    

    

Im Jahr 2010 absolvierten sie ein viel umjubeltes Konzert beim Night Of The Prog Festival auf der Loreley. Von diesem Konzert kam in 2025 ein Livemitschnitt unter dem Titel „Alive At Loreley“ heraus. Was bei dem Auftritt keiner wusste war, dass es das letzte Konzert ihres langjährigen Bassisten Neil Pepper sein sollte. Der schon an Krebs erkrankte Pepper genoss diesen letzten Auftritt und verstarb leider schon ein Jahr später an dieser Krankheit.

     

    

     

Am zweiten Tag des EMPIRE Of Prog Festivals standen Galahad als Headliner auf der Bühne. Das LineUp der Band stellte sich wie folgt dar: Stuart Nicholson (Gesang), Lee Abraham (Gitarre), Dean Baker (Keyboards), Spencer Luckman (Schlagzeug) und Mark Spencer (Bass). Die Band schloss ihre „Forty Something Tour 2026“ (die Band wurde bereits im Jahr 1984 gegründet) beim EMPIRE Of Prog Festival in Ramstein ab.

    

     

Nicht nur wegen des Auftrittsortes hatte Sänger Stuart Nicholson ein schwarzes Hemd mit Schriftzug der Band Rammstein angezogen. Wie er nach dem Konzert verriet, mag er die Musik von Rammstein und hat die Gruppe bereits mehrfach live gesehen. Auf ihrem Album „Quiet Storms“ findet sich darüber hinaus eine Coverversion von Rammsteins „Mein Herz brennt“, das in einem kurzen Ausschnitt die Zugabe einläutete.

    

     

    

Was die schottische Band da am Ende des zweiten Tages ablieferte, kann nur als grandios bezeichnet werden. Schon als die Band nach einer elektronisch/symphonischen Ouvertüre, die durch pumpende Beats ergänzt wurde, die Bühne betrat, fing die Halle sofort Feuer. Und dieses von Spielfreude und Spielwitz durchzogene Feuer brannte bis zum letzten Ton in dem gut besuchten Raum.

    

    

Gestartet wurde ihr Set, das sie mit Stücken ihrer gut 41jährigen Karriere zusammengestellt hatten, dann mit dem herrlichen Song „Guardian Angel“, das vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Dean Baker unterfütterte die Songs mit aufregenden Synthesizersequenzen und -sounds. Die Band spielte eine sehr druckvolle Variante dieses Stückes. Hier zeigte sich schon, dass Sänger Stuart Nicholson und Bassist Mark Spencer den Schalk im Nacken hatten, denn sie alberten förmlich um die Wette auf der Bühne und verbreiteten eine tolle Stimmung im Saal. Zu diesem ersten Stück, sowie zu dem Song „Room 801“ setzte sich Bassist Mark Spencer, der als Bühnenoutfit einen weißen Kilt gewählt hatte, eine breite, durchsichtige, blinkende Brille auf.

    

     

    

Als zweites stand dann der Titelsong ihres grandiosen Albums „Empires Never Last“ auf dem Programm. Zu Beginn des Songs macht sich Basser Mark Spencer, einen treibenden Basslauf spielend, das erste Mal auf den Weg ins Publikum. Das zeigte schon die Fannähe der Musiker, sollte aber im Verlauf ihres Gigs noch zunehmen. Ein Stück das gut gealtert ist und immer noch viel Freude bereitet.

    

    

Mit „The Last Great Adventure“ stand dann ein weiterer Titelsong eines Albums auf der Setlist. (Anmerkung: Auf dem Frontcover des Albums ist der Vater von Stuart Nicholson beim Bergsteigen zu sehen.) Das ausufernde Stück mündete in einen Abschlusspart in dem sich Dean Baker an den Keyboards und Lee Abraham an der Gitarre sanfte Klänge zuspielten und Stuart ausdrucksstark seinen Gesang hinzufügte.

    

     

    

In „Another Life Not Lived“ wurde es dann ein wenig melancholisch und verträumt. Lee Abraham baute hier - wie auch in anderen Stücken - ein Gänsehaut treibendes Gitarrensolo ein. Bei „Sleepers“ hielt es dann Stuart Nicholson nicht mehr auf der Bühne und er rannte, sehr zur Freude der Besucher, mit seinem Tambourine durch die Publikumsreihen.

    

     

Bei dem ruhigen Song „Beyond The Barbed Wire“ reichte Stuart dann Schlagzeuger Spencer Luckman sein Tambourine, der dann die Schlagzeugstöcke weglegte und hinter seiner Schießbude aufstand, um das Stück mit Percussion rhythmisch zu unterstützen.

    

    

     

Lee Abraham wollte dann auch nicht mehr nur auf der Bühne agieren und verließ zu „This Life Could Be My Last“ Gitarre spielend die Bühne um sich unter die Besucher zu mischen. Ein wunderbarer Song.

    

    

Mit „Ghost Of Durtal“ ging es dann weit in die Bandgeschichte zurück. Der Song stammt aus dem Jahr 1985 und wurde von ihrem damaligen Gitarristen in seinem Schlafzimmer komponiert. Gitarrist Lee Abraham und Keyboarder Dean Baker gingen in diesem Stück einen musikalischen Dialog ein, in dem sie sich die Töne zuspielten.

     

    

    

„The Last Goodbye“ ist ein Song der vom Tod handelt. Ein sehr bewegendes Lied. Lee Abraham ging während des Songs zu einer Frau in der ersten Reihe und umarmte sie. Wie es schien verband sie mit diesem Song eine Menge. Die Band baute in dieses Stück dann auch noch eine kleine Passage aus Peter Gabriel’s Lied „I Don’t Remember“ ein. Der Song endete mit einer sphärischen Passage, bei der die Klänge aus dem Synthesizer kamen. Hierzu verließen die Bandmitglieder nach und nach die Bühne, während Stuart Nicholson allein blieb und sanft dieses Stück mit einigen Worten beendete. Das führte zu „Standing Ovations“.

     

    

Es war natürlich klar, dass die Band nicht ohne eine Zugabe aus der Halle gelassen wurde und so endete ihr Konzert mit einer hinreißenden Fassung ihres Songs „Seiz The Day“, das mit einer kurzen Passage vom Rammstein-Song „Mein Herz brennt“ eingeleitet wurde (eine Version davon fand sich auch schon auf dem 2017’er Album „Quiet Storms“), bei der Stuart den deutschen Text von einem Blatt ablas.

    

     

    

Das war der Abschluss eines grandiosen Konzertes, das vom Publikum stürmisch gefeiert wurde. Die Bandmitglieder nahmen sich nach dem Konzert noch reichlich Zeit um mit den Fans zu reden oder Autogramm- und Selfiewünsche zu erfüllen. Dazu mischten sie sich unter die noch Anwesenden. Eine tolle Band, die nicht nur durch ihre eindrucksvolle Musik, sondern auch ihre Fannähe begeisterte.

    

    

 
 

 

Setlist

Guardian Angel
Empires Never Last
The Last Great Adventure
Another Life Not Lived
Sleepers
Beyond The Barbed Wire
This Life Could Be My Last …
Room 801
Ghost Of Durtal
The Long Goodbye

Zugabe

Mein Herz brennt
Seize The Day

 

 

Stephan Schelle, Mai 2026

 

Besetzung

Stuart Nicholson (Gesang, Percussion)
Lee Abraham (Gitarre)
Dean Baker (Keyboards)
Spencer Luckman (Schlagzeug)
Mark Spencer (Bass)

 
  Chandelier-Konzert

 

Flame Drop-Konzert