Im Jahr
1982 wurde die Hamburg Blues Band (kurz HBB) vom Hamburger Rockshouter
Gert Lange und dem englischen Saxophonisten Dick Heckstall-Smith (Bluesbreakers,
Colosseum) im legendären Hamburger „Onkel Pö“ gegründet. Die Band vermengt
bei ihren Auftritten brettharten Gitarren-Bluesrock spielfreudig wie
traditionsbewusst mit Soul, Psychedelic, Rhythm & Blues and Boogie. Seit
vier Jahrzehnten tourt die legendäre Band durch die Lande, gehört zum
Besten, was die europäische Bluesszene zu bieten hat, steht für intensiven
und clever arrangierten Roots Blues.


Es
spricht für die Qualität dieser Formation das zahlreiche Stars der Szene
wie Jack Bruce, Chris Farlowe, Maggie Bell, Mike Harrison, Arthur Brown
und Gitarrenheroen wie Clem Clempson & Miller Anderson, sich im Laufe der
Jahre die Ehre gaben und mit auf der Bühne standen.


Als
besonderes Highlight des Konzertes in Paderborn war die „Grand Dame“ des
Blues und R’n’B, Inga Rumpf, die vom Rolling Stone einst als „Deutschlands
einzige Rock-, Soul- und Gospelsängerin von Weltklasseniveau“ bezeichnet
wurde, mit auf der Bühne und hob die Musik noch auf eine höhere Stufe.
Inga Rumpf ist vor allem als Frontfrau der Bands City Preachers, Frumpy
und Atlantis bekannt. In den USA war Inga mit Aerosmith und Lynyrd Skynyrd
auf Tour. 2005 wurde ein Traum wahr, als B.B. King sie auf seine
Abschiedstournee einlud.


Die
Hamburg Blues Band war zum wiederholten Male in Paderborn live auf der
Bühne. Pünktlich gegen 20:00 Uhr startete sie mit dem Hans Albers
Klassiker „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ als Intro ihren gut
106-minütigen Auftritt.


Den
ersten Teil bestritt die HBB als Quartett bestehend aus Gert Lange
(Gitarre, Gesang), Krissy Matthews (Gitarre, Gesang), Eddie Filipp
(Schlagzeug) und Slawek Semenuik (Bass). Nach dem Intro folgte mit „Rockin’
Chair“ der erste Song, bei dem es aber schon nach wenigen Momenten
Probleme mit der Technik gab, denn das Mikro von Gert Lange war plötzlich
tot. Auch während des Konzertes musste ein Techniker immer mal wieder auf
die Bühne kommen, was die Musiker zum einen aber recht locker nahmen, zum
anderen den Spielfluss - bis auf die erste Unterbrechung - nicht wirklich
hemmte.



Den
Bluesrocker „Try Me Again“ widmete Gert Lange all den Musikern und
Weggefährten, die schon von uns gegangen sind. Der Song startete recht
ruhig, transformierte sich aber in einen ekstatischen Part, in dem Krissy
Matthews mit einem grandiosen Gitarrensolo glänzte, bei dem er wieder
nicht wusste wohin mit seiner ganzen Energie. Er ging mächtig an der
Gitarre ab und schüttelte den Kopf mit geschlossenen Augen und
heraushängender Zunge, während er die irrsten Klänge blind aus seiner
Gitarre holte. Das sollte nicht das letzte Mal seiner Performance sein. Es
ist immer wieder eine Freude diesem grandiosen Gitarristen zuzusehen


Danach
stand mit „Hairdryin’ Drummer Man“ ein Krissy Matthews-Song auf dem
Programm, bei dem er auch den Leadgesang übernahm. Zuvor heizte er dem
Publikum in deutscher Sprach mächtig ein. Dem folgte dann der sanfte
Bluessong „Into The Night“. „Can’t Last Forever“, das mit funky Gitarren
aufwartete wurde vom Texter der Band Cream, Pete Brown, für die HBB
geschrieben, wie Gert Lange zu Beginn verriet. Und in „Get Off My Back“
wurde es dann sehr amerikanisch, denn Krissy nutzte zunächst die
Bottleneck-Technik. Ein Song bei dem Satzgesang von Gert Lange, Krissy
Matthews und Slawek Semenuik sowie Twinguitars dem Song das gewisse Extra
verliehen und in Richtung des traditionellen Blues wies.


Danach
verließ Gert Lange die Bühne um vor allem Krissy Matthews und Slawek
Semenuik die Bühne zu überlassen, die eine Version von Jimi Hendrix „Foxy
Lady“ spielten. Es begann zunächst mit einem improvisierten Part, der von
Krissys atmosphärischer Gitarre und Slaweks rhythmischem Bass getragen
war. Nach ein paar Minuten wechselte dies in eine kraftvolle Version des
Hendrix-Klassikers, in dem Krissy wieder ein grandioses Solo einstreute.
Sie bauten dann auch noch kurz eine Passage ein, die sich nach Deep
Purple’s „Strange Kind Of Woman“ anhörte.



Inga
Rumpf ist wirklich unglaublich agil und voller Elan und Energie noch auf
der Bühne am Werk und man sieht ihr nicht an, dass sie in diesem Jahr
ihren 80. Geburtstag feiern kann. Da kann man nur den Hut ziehen und ihr
wünschen, dass es noch einige Jahre so weitergeht. Jetzt war ihr Part an
der Reihe.


Als
erstes kam Keyboarder Frank Tischer als weiterer Gast auf die Bühne und
die Band leitete den Song „Friends“ recht funky ein. Als dann Inga die
Bühne betrat, spürte man sofort ihre raumfüllende Ausstrahlung und das
Publikum war sofort in Hochstimmung und begrüßte sie mit großem Applaus.
Ihre Stimme hat immer noch so viel Ausdruckskraft und ist einmalig in der
Rockszene, da bekommt man schnell eine Gänsehaut.


Das
folgende Stück „Indian Rope Man“ stammte ursprünglich von Richie Havens,
das Jimmy Driscoll und Brian Auger damals übernommen hatten und das später
von Frumpy mit einem neuen Arrangement versehen wurde, wie Inga erklärte.
Ein getragener Song der vor allem Ingas Stimme in den Vordergrund stellte.



Ein
Höhepunkt war dann natürlich der Frumpy-Klassiker „How The Gypsy Was
Born“. Auch hier lieferten Krissy Matthews und Frank Tischer grandiose
Soli. Vor allem Frank Tischer ging an seinen schwarz/weißen Tasten völlig
ab. Das führte zu großem Zwischenapplaus. Darauf folgten rockige Versionen
von Ray Charles’ „I Don’t Need No Doctor“ und Stevie Wonder’s „Superstition“.
Den Abschluss des Konzertes bildete dann das Stück „Back To The Roots“ von
Ingas letztem Album „Universe Of Dreams“ aus 2021.


Das Inga
sehr viel Spaß an dem Gig hatte, konnte man an ihren Ansagen, ihrer Mimik
und der Begeisterung, die sie für die Soli von Frank Tischer und Krissy
Matthews zeigte, sehen. Ein absolut genialer Auftritt der „Grand Dame“ der
deutschen Rockszene und der Hamburg Blues Band.