Hamburg Blues Band & Friends feat. Inga Rumpf
(Paderhalle, Paderborn, 21.03.2026)


    

Im Jahr 1982 wurde die Hamburg Blues Band (kurz HBB) vom Hamburger Rockshouter Gert Lange und dem englischen Saxophonisten Dick Heckstall-Smith (Bluesbreakers, Colosseum) im legendären Hamburger „Onkel Pö“ gegründet. Die Band vermengt bei ihren Auftritten brettharten Gitarren-Bluesrock spielfreudig wie traditionsbewusst mit Soul, Psychedelic, Rhythm & Blues and Boogie. Seit vier Jahrzehnten tourt die legendäre Band durch die Lande, gehört zum Besten, was die europäische Bluesszene zu bieten hat, steht für intensiven und clever arrangierten Roots Blues.

    

    

Es spricht für die Qualität dieser Formation das zahlreiche Stars der Szene wie Jack Bruce, Chris Farlowe, Maggie Bell, Mike Harrison, Arthur Brown und Gitarrenheroen wie Clem Clempson & Miller Anderson, sich im Laufe der Jahre die Ehre gaben und mit auf der Bühne standen.

    

    

Als besonderes Highlight des Konzertes in Paderborn war die „Grand Dame“ des Blues und R’n’B, Inga Rumpf, die vom Rolling Stone einst als „Deutschlands einzige Rock-, Soul- und Gospelsängerin von Weltklasseniveau“ bezeichnet wurde, mit auf der Bühne und hob die Musik noch auf eine höhere Stufe. Inga Rumpf ist vor allem als Frontfrau der Bands City Preachers, Frumpy und Atlantis bekannt. In den USA war Inga mit Aerosmith und Lynyrd Skynyrd auf Tour. 2005 wurde ein Traum wahr, als B.B. King sie auf seine Abschiedstournee einlud.

      

    

Die Hamburg Blues Band war zum wiederholten Male in Paderborn live auf der Bühne. Pünktlich gegen 20:00 Uhr startete sie mit dem Hans Albers Klassiker „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ als Intro ihren gut 106-minütigen Auftritt.

     

    

Den ersten Teil bestritt die HBB als Quartett bestehend aus Gert Lange (Gitarre, Gesang), Krissy Matthews (Gitarre, Gesang), Eddie Filipp (Schlagzeug) und Slawek Semenuik (Bass). Nach dem Intro folgte mit „Rockin’ Chair“ der erste Song, bei dem es aber schon nach wenigen Momenten Probleme mit der Technik gab, denn das Mikro von Gert Lange war plötzlich tot. Auch während des Konzertes musste ein Techniker immer mal wieder auf die Bühne kommen, was die Musiker zum einen aber recht locker nahmen, zum anderen den Spielfluss - bis auf die erste Unterbrechung - nicht wirklich hemmte.

    

    

    

Den Bluesrocker „Try Me Again“ widmete Gert Lange all den Musikern und Weggefährten, die schon von uns gegangen sind. Der Song startete recht ruhig, transformierte sich aber in einen ekstatischen Part, in dem Krissy Matthews mit einem grandiosen Gitarrensolo glänzte, bei dem er wieder nicht wusste wohin mit seiner ganzen Energie. Er ging mächtig an der Gitarre ab und schüttelte den Kopf mit geschlossenen Augen und heraushängender Zunge, während er die irrsten Klänge blind aus seiner Gitarre holte. Das sollte nicht das letzte Mal seiner Performance sein. Es ist immer wieder eine Freude diesem grandiosen Gitarristen zuzusehen

    

    

Danach stand mit „Hairdryin’ Drummer Man“ ein Krissy Matthews-Song auf dem Programm, bei dem er auch den Leadgesang übernahm. Zuvor heizte er dem Publikum in deutscher Sprach mächtig ein. Dem folgte dann der sanfte Bluessong „Into The Night“. „Can’t Last Forever“, das mit funky Gitarren aufwartete wurde vom Texter der Band Cream, Pete Brown, für die HBB geschrieben, wie Gert Lange zu Beginn verriet. Und in „Get Off My Back“ wurde es dann sehr amerikanisch, denn Krissy nutzte zunächst die Bottleneck-Technik. Ein Song bei dem Satzgesang von Gert Lange, Krissy Matthews und Slawek Semenuik sowie Twinguitars dem Song das gewisse Extra verliehen und in Richtung des traditionellen Blues wies.

    

    

Danach verließ Gert Lange die Bühne um vor allem Krissy Matthews und Slawek Semenuik die Bühne zu überlassen, die eine Version von Jimi Hendrix „Foxy Lady“ spielten. Es begann zunächst mit einem improvisierten Part, der von Krissys atmosphärischer Gitarre und Slaweks rhythmischem Bass getragen war. Nach ein paar Minuten wechselte dies in eine kraftvolle Version des Hendrix-Klassikers, in dem Krissy wieder ein grandioses Solo einstreute. Sie bauten dann auch noch kurz eine Passage ein, die sich nach Deep Purple’s „Strange Kind Of Woman“ anhörte.

    

                        

    

Inga Rumpf ist wirklich unglaublich agil und voller Elan und Energie noch auf der Bühne am Werk und man sieht ihr nicht an, dass sie in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag feiern kann. Da kann man nur den Hut ziehen und ihr wünschen, dass es noch einige Jahre so weitergeht. Jetzt war ihr Part an der Reihe.

    

    

Als erstes kam Keyboarder Frank Tischer als weiterer Gast auf die Bühne und die Band leitete den Song „Friends“ recht funky ein. Als dann Inga die Bühne betrat, spürte man sofort ihre raumfüllende Ausstrahlung und das Publikum war sofort in Hochstimmung und begrüßte sie mit großem Applaus. Ihre Stimme hat immer noch so viel Ausdruckskraft und ist einmalig in der Rockszene, da bekommt man schnell eine Gänsehaut.

    

    

Das folgende Stück „Indian Rope Man“ stammte ursprünglich von Richie Havens, das Jimmy Driscoll und Brian Auger damals übernommen hatten und das später von Frumpy mit einem neuen Arrangement versehen wurde, wie Inga erklärte. Ein getragener Song der vor allem Ingas Stimme in den Vordergrund stellte.

    

    

    

Ein Höhepunkt war dann natürlich der Frumpy-Klassiker „How The Gypsy Was Born“. Auch hier lieferten Krissy Matthews und Frank Tischer grandiose Soli. Vor allem Frank Tischer ging an seinen schwarz/weißen Tasten völlig ab. Das führte zu großem Zwischenapplaus. Darauf folgten rockige Versionen von Ray Charles’ „I Don’t Need No Doctor“ und Stevie Wonder’s „Superstition“. Den Abschluss des Konzertes bildete dann das Stück „Back To The Roots“ von Ingas letztem Album „Universe Of Dreams“ aus 2021.

    

    

Das Inga sehr viel Spaß an dem Gig hatte, konnte man an ihren Ansagen, ihrer Mimik und der Begeisterung, die sie für die Soli von Frank Tischer und Krissy Matthews zeigte, sehen. Ein absolut genialer Auftritt der „Grand Dame“ der deutschen Rockszene und der Hamburg Blues Band.

    

    

Setlist

Rockin’ Chair
Stony Times
Try Me Again
Hairdrying Drummer Man
Into The Night
Can’t Last Forever
Get Off My Back
Foxy Lady
Blues Is Still Alive
Friends *
Indian Rope Man *
How The Gypsy Was Born *
I Don’t Need No Doctor *
Superstition *
Back To The Roots *

* = mit Inga Rumpf und Frank Tischer

 

Stephan Schelle, März 2026

 

Besetzung

Gert Lange – Gitarre, Gesang
Krissy Matthews – Gitarre, Gesang
Eddie Filipp - Schlagzeug
Slawek Semenuik - Bass
Inga Rumpf - Gesang, Perkussion
Frank Tischer - Keyboards

 

 

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