Rockpommel's Band
(Paderhalle, Paderborn, 21.03.2026)

 

     

An der letzten Position spielte die neu formierte Band Rockpommel’s Band. Fans der deutschen Rockmusik wissen oder ahnen natürlich, dass es bei diesem Namen nur um die Musik der Hagener Rocklegende Grobschnitt gehen kann. Es handelt sich dabei aber nicht um eine der üblichen Coverbands, hier stecken nämlich frühere Originalmitglieder von Grobschnitt dahinter.

    

    

     

    

Rockpommel’s Band ist der Bandname, der sich deutlich an einem der besten Grobschnitt-Alben, nämlich „Rockpommel’s Land“ orientiert. Das ist kein Zufall, denn im LineUp der Rockpommel’s Band finden sich mit Toni Moff Mollo (Gesang), Milla Kapolke (Bass) und Rolf ATS Möller (Schlagzeug) drei Originalmitgliedern aus den 70’er/80’er Jahren sowie mit Manu Kapolke (Gitarre), Demian Hache (Schlagzeug) und Deva Tattva (Keyboards) drei weitere Musiker, die in der 2007 – 2012’er Version der Band ebenfalls dabei waren. Dazugekommen sind Kevin Hollmann (Gitarre), der einige Jahre in der Grobschnitt-Tribute-Band Nebelreise Gitarre spielte und Armin Krull (Gesang, Akustikgitarre).

    

    

    

    

Während Gerd „Lupo“ Kühn, Stefan „Willi Wildschwein“ Danielak und Stefan „Nuki“ Danielak seit einigen Jahren die akustische Version der Grobschnitt-Songs auf Deutschlands Bühnen zaubern, wurde unter den Grobschnitt-Fans der Wunsch laut, doch die Musik endlich wieder in elektrischer Form live erleben zu können.

    

    

    

    

Der Wunsch geht nun in Erfüllung, denn Milla Kapolke und Rolf Möller versammelten einige Musiker aus dem bisherigen Umfeld um sich und gaben Anfang Oktober 2025 zwei Testkonzerte im Werkhof in Hagen-Hohenlimburg. Hier wollte man testen, ob die alte Magie, die diese Musiker zuletzt im Jahr 2012 entfachten, erneut zum Leben erweckt werden kann. Der Erfolg war groß und so kamen durch Mundpropaganda mehrere Anfragen von Veranstaltern (darunter das Burg Herzberg Festival und sogar eine Anfrage aus den Niederlanden), die diese Magie auch auf ihren Bühnen präsentieren wollen. Den ersten Gig nach Hagen-Hohenlimburg spielte die neue Band am 06.03.2026 in Menden, wo schon so viele Tourstarts von Grobschnitt in den 70’er/80’er Jahren begannen. Der zweite „richtige“ Gig fand am 21.03.2026 beim Paderborner Rockfestival statt.

    

    

    

    

Auf eine richtige Tour kann man aber nicht hoffen (es soll vereinzelt mehrere Konzerte im Jahr geben), da die Bandmitglieder zum einen teils örtlich weit auseinander wohnen und zum anderen einige auch noch einem Beruf nachgehen. Der einzige aktive Profimusiker in den Reihen von Rockpommel’s Band ist derzeit nur Rolf Möller, der bei Extrabreit für den kraftvollen Drive sorgt.

    

    

    

    

Die Veranstalter hatten die Band an die letzte Position gesetzt, da sie ihre Spielzeit – anders als bei den anderen beiden Bands – nicht begrenzen wollten und so wurde dann auch das Ende offen gestaltet. Da ich leider bei den ersten drei Auftritten der Band verhindert war, war ich besonders auf den Gig in Paderborn gespannt. Vor allem wegen des neuen Mannes am Mikro, Armin Krull. Und ich kann hier schon einmal vorwegschicken, dass ich nicht enttäuscht wurde.

    

    

    

    

Die Band startete gegen 22:20 zu einem zweieinhalbstündigen Konzert. Normalerweise spielen Bands auf Festivals aus Zeitgründen nicht ihr komplettes Programm. Das war dann bei Rockpommel’s Band auch so, allerdings fielen nur vier Stücke aus dem Programm. Während das Konzert in Menden mit dem Stück „Wir wollen sterben” vom „Razzia”-Album (ein Song der schon seit den 80’er Jahren nicht mehr live gespielt wurde), das Eroc damals als Gegenpol zum für ihn zu sanften „Wir wollen leben” komponiert hatte und das direkt in den nächsten Song „Du schaffst das nicht” vom „Merry Go Round“-Album überging, startete, verzichtete die Band in Paderborn leider auf diesen Beginn. Stattdessen eröffnete man gleich mit einem druckvollen Auszug aus dem Stück „Powerplay“, einer Variation von „Solar Music“, was natürlich auch einen tollen Start bedeutete und zeigte, wie kraftvoll der Gig werden sollte.

    

    

     

    

    

Danach folgte dann das Komplettwerk „Rockpommel’s Land“, was bei dem Bandnamen auch nicht anders zu erwarten war. Sie spielten die Version, die ab 2010 mit den Erweiterungen wie zum Beispiel „Before“ und „Stoney Dance“ live geboten wurde. Sänger Armin Krull, der zuvor schon mit Milla Kapolke in der Band Marrakesch Express gespielt hatte, hat eine ganz andere Stimmlage als Willi Wildschwein und interpretierte die Songs auch anders. Sie passte aber erstaunlich gut zu den Songs, so dass man mit ihm schnell warm wurde. Auch der andere Neue in der Band, Kevin Hollmann, brachte sich mit teilweise eigenem Stil ein und spielte seine Gitarre nicht eins zu eins wie Lupo oder Nuki. Vor allem in „Ernies Reise“ fiel sein etwas härterer Gitarrenklang auf. Dieser passte dann – aus meiner Sicht - bei den späteren Stücken wesentlich besser. Seine Akustikgitarrenparts in „Anywhere“ war dagegen traumhaft. Und so steigerte sich die Band im Verlauf des Konzertes immer mehr und es wurde ein wahres Fest für die angereisten Fans. „Rockpommel’s Land“ wurde dann auch mit frenetischem Beifall belohnt. Natürlich wurde auch der Maraboo wieder in die Show eingebunden.

    

    

    

    

Nach der Aufführung ihres beliebten Konzeptalbums fragte Milla dann ins Publikum: „Was für einen Tag haben wir heute?“ Und er gab dann mit „Heut ist ein schöner Tag“ gleich die Antwort und den Hinweis auf einen weiteren Bandklassiker „Vater Schmidt’s Wandertag“ vom „Jumbo“-Album. Sie lieferten eine klasse Version des Stückes ab.

    

    

    

    

Danach ging es mit dem Song „Mary Green“, der für die Legalisierung von Cannabis steht und von Milla mit einigen Worten zur aktuellen Situation eröffnet wurde, weiter. Dabei kam dann eine Mary Green mit großem Joint als Showelement auf die Bühne. Es folgte eine Kombination aus den beiden Stücken „Die Kinder ziehn zum Strand“ und „Könige der Welt“. Vor allem „Könige der Welt“ glänzte in der Version, die in den 2000’ern gespielt wurde und rhythmisch ein wenig an den Sound von Peter Gabriel heranreichte.

     

    

    

    

Es war schon kurz vor Mittenacht, als dann ein weiteres Stück, das bei keinem Auftritt der Band fehlen darf und dass zum Tafelsilber der Band gehört, angestimmt wurde. Es handelt sich natürlich um „Sonnentanz“, der 80’er-Jahre-Version von „Solar Music“. Hier lief die Band zur Höchstform auf. Rolf und Demian wechselten sich an Percussion und Schlagzeug mehrfach ab und sorgten für den perfekten Rhythmus. Manu und Kevin spielten sich die Bälle zu und ergänzten sich perfekt mit ihrem Gitarrenspiel. Während Deva für den sphärischen Unterboden sorgte, verzierte Milla ein ums andere Mal mit seinem polyphonen Bassspiel und vor allem dem druckvollen Einsatz seines Basssynthesizers, der wieder eine wohlige Druckwelle in den Raum schickte, das Stück. Ich liebe es, wenn ich diese Vibrationen vom Basssynthesizer am Körper spüre. Toni und Armin (er zupfte auch die Akustikgitarre) warfen sich die gesanglichen Bälle zu, in die auch Milla und die anderen teilweise mit einstiegen. Darüber hinaus war das Stück wieder von herrlichen Soli von Kevin, Manu, Deva und Milla durchzogen, die keine Wünsche offenließen. Optisch waren natürlich auch wieder der Sonnengott, die Lichtschwerter und die Pyro im Programm. Das war dann ein grandioser Abschluss des offiziellen Teils, aber noch nicht das Ende.

    

    

     

     

Als Zugabe wurde dann das Finale von „Solar Music“ gespielt, bei dem dann auch der Wikinger auf die Bühne kam und die leicht melancholische Stimmung dieses Parts unterstrich indem er langsam mit einer mystischen Laterne über die Bühne schritt. Danach sollte eigentlich Schluss sein, doch Milla erklärte spontan, dass sie extra für die Frau des Veranstalters noch „Wie der Wind“ als letzte Zugabe spielen würden. In diesem Song hatte vor allem Toni am Mikro seinen Auftritt. Und sein Gesang war auf den Punkt, wie in alten Zeiten.

     

    

    

    

    

Rockpommel’s Band schafften es, den Spirit, der sich vor allem ab 2010 mit der Komplettaufführung von „Rockpommel’s Land“ ergeben hat, wieder auf die Bühne zu transferieren. Zwar war noch nicht alles perfekt (die Erwartungshaltung war bei vielen, die 2007 – 2010 die Konzerte erlebt hatten, groß), das ist aber auch kein Wunder, denn es war in dieser Konstellation erst ihr vierter Liveauftritt. Darüber hinaus ist das gebotene Repertoire vom Umfang und der Komplexität auch nicht gerade das einfachste Material. Bei Livekonzerten ist aber immer wichtig, dass eine Band durch ihre Spielfreude und der Musik eine Verbindung zum Publikum aufbaut und das ist der achtköpfigen Formation perfekt gelungen. So gab es nicht nur einen tosenden Applaus am Ende des Konzertes, es wurde auch immer wieder Zwischenapplaus für die gelungenen Soli spendiert.

    

    

     

    

Schön, dass es mit dieser Formation wieder die Grobschnitt-Musik in elektrischer Form gibt. In dieser Form werden sie die Euphorie der Vergangenheit wieder entfachen und nicht nur die alten Fans begeistern, sondern auch neue Fans hinzugewinnen.

    

    

    

    

Setlist

Powerplay (Excerpt)
Before
Ernies Reise
Severity Town
Anywhere
Stoney Dance
Rockpommel’s Land
Vater Schmidt’s Wandertag
Mary Green
Die Kinder ziehn zum Strand/Könige der Welt
Sonnentanz

Zugaben

Solar Music Finale
Wie der Wind

Stephan Schelle, März 2026

 

Besetzung

Milla Kapolke (Bass)
Rolf ATS Möller (Schlagzeug)
Toni Moff Mollo (Gesang)
Manu Kapolke (Gitarre)
Demian Hache (Schlagzeug)
Deva Tattva (Keyboards)
Kevin Hollmann (Gitarre)
Armin Krull (Gesang, Akustikgitarre)

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