An der
letzten Position spielte die neu formierte Band Rockpommel’s Band. Fans
der deutschen Rockmusik wissen oder ahnen natürlich, dass es bei diesem
Namen nur um die Musik der Hagener Rocklegende Grobschnitt gehen kann. Es
handelt sich dabei aber nicht um eine der üblichen Coverbands, hier
stecken nämlich frühere Originalmitglieder von Grobschnitt dahinter.




Rockpommel’s Band ist der Bandname, der sich deutlich an einem der besten
Grobschnitt-Alben, nämlich „Rockpommel’s Land“ orientiert. Das ist kein
Zufall, denn im LineUp der Rockpommel’s Band finden sich mit Toni Moff
Mollo (Gesang), Milla Kapolke (Bass) und Rolf ATS Möller (Schlagzeug) drei
Originalmitgliedern aus den 70’er/80’er Jahren sowie mit Manu Kapolke
(Gitarre), Demian Hache (Schlagzeug) und Deva Tattva (Keyboards) drei
weitere Musiker, die in der 2007 – 2012’er Version der Band ebenfalls
dabei waren. Dazugekommen sind Kevin Hollmann (Gitarre), der einige Jahre
in der Grobschnitt-Tribute-Band Nebelreise Gitarre spielte und Armin Krull
(Gesang, Akustikgitarre).




Während
Gerd „Lupo“ Kühn, Stefan „Willi Wildschwein“ Danielak und Stefan „Nuki“
Danielak seit einigen Jahren die akustische Version der Grobschnitt-Songs
auf Deutschlands Bühnen zaubern, wurde unter den Grobschnitt-Fans der
Wunsch laut, doch die Musik endlich wieder in elektrischer Form live
erleben zu können.




Der
Wunsch geht nun in Erfüllung, denn Milla Kapolke und Rolf Möller
versammelten einige Musiker aus dem bisherigen Umfeld um sich und gaben
Anfang Oktober 2025 zwei Testkonzerte im Werkhof in Hagen-Hohenlimburg.
Hier wollte man testen, ob die alte Magie, die diese Musiker zuletzt im
Jahr 2012 entfachten, erneut zum Leben erweckt werden kann. Der Erfolg war
groß und so kamen durch Mundpropaganda mehrere Anfragen von Veranstaltern
(darunter das Burg Herzberg Festival und sogar eine Anfrage aus den
Niederlanden), die diese Magie auch auf ihren Bühnen präsentieren wollen.
Den ersten Gig nach Hagen-Hohenlimburg spielte die neue Band am 06.03.2026
in Menden, wo schon so viele Tourstarts von Grobschnitt in den 70’er/80’er
Jahren begannen. Der zweite „richtige“ Gig fand am 21.03.2026 beim
Paderborner Rockfestival statt.




Auf eine
richtige Tour kann man aber nicht hoffen (es soll vereinzelt mehrere
Konzerte im Jahr geben), da die Bandmitglieder zum einen teils örtlich
weit auseinander wohnen und zum anderen einige auch noch einem Beruf
nachgehen. Der einzige aktive Profimusiker in den Reihen von Rockpommel’s
Band ist derzeit nur Rolf Möller, der bei Extrabreit für den kraftvollen
Drive sorgt.




Die
Veranstalter hatten die Band an die letzte Position gesetzt, da sie ihre
Spielzeit – anders als bei den anderen beiden Bands – nicht begrenzen
wollten und so wurde dann auch das Ende offen gestaltet. Da ich leider bei
den ersten drei Auftritten der Band verhindert war, war ich besonders auf
den Gig in Paderborn gespannt. Vor allem wegen des neuen Mannes am Mikro,
Armin Krull. Und ich kann hier schon einmal vorwegschicken, dass ich nicht
enttäuscht wurde.




Die Band
startete gegen 22:20 zu einem zweieinhalbstündigen Konzert. Normalerweise
spielen Bands auf Festivals aus Zeitgründen nicht ihr komplettes Programm.
Das war dann bei Rockpommel’s Band auch so, allerdings fielen nur vier
Stücke aus dem Programm. Während das Konzert in Menden mit dem Stück „Wir
wollen sterben” vom „Razzia”-Album (ein Song der schon seit den 80’er
Jahren nicht mehr live gespielt wurde), das Eroc damals als Gegenpol zum
für ihn zu sanften „Wir wollen leben” komponiert hatte und das direkt in
den nächsten Song „Du schaffst das nicht” vom „Merry Go Round“-Album
überging, startete, verzichtete die Band in Paderborn leider auf diesen
Beginn. Stattdessen eröffnete man gleich mit einem druckvollen Auszug aus
dem Stück „Powerplay“, einer Variation von „Solar Music“, was natürlich
auch einen tollen Start bedeutete und zeigte, wie kraftvoll der Gig werden
sollte.





Danach
folgte dann das Komplettwerk „Rockpommel’s Land“, was bei dem Bandnamen
auch nicht anders zu erwarten war. Sie spielten die Version, die ab 2010
mit den Erweiterungen wie zum Beispiel „Before“ und „Stoney Dance“ live
geboten wurde. Sänger Armin Krull, der zuvor schon mit Milla Kapolke in
der Band Marrakesch Express gespielt hatte, hat eine ganz andere Stimmlage
als Willi Wildschwein und interpretierte die Songs auch anders. Sie passte
aber erstaunlich gut zu den Songs, so dass man mit ihm schnell warm wurde.
Auch der andere Neue in der Band, Kevin Hollmann, brachte sich mit
teilweise eigenem Stil ein und spielte seine Gitarre nicht eins zu eins
wie Lupo oder Nuki. Vor allem in „Ernies Reise“ fiel sein etwas härterer
Gitarrenklang auf. Dieser passte dann – aus meiner Sicht - bei den
späteren Stücken wesentlich besser. Seine Akustikgitarrenparts in „Anywhere“
war dagegen traumhaft. Und so steigerte sich die Band im Verlauf des
Konzertes immer mehr und es wurde ein wahres Fest für die angereisten
Fans. „Rockpommel’s Land“ wurde dann auch mit frenetischem Beifall
belohnt. Natürlich wurde auch der Maraboo wieder in die Show eingebunden.




Nach der
Aufführung ihres beliebten Konzeptalbums fragte Milla dann ins Publikum:
„Was für einen Tag haben wir heute?“ Und er gab dann mit „Heut ist ein
schöner Tag“ gleich die Antwort und den Hinweis auf einen weiteren
Bandklassiker „Vater Schmidt’s Wandertag“ vom „Jumbo“-Album. Sie lieferten
eine klasse Version des Stückes ab.




Danach
ging es mit dem Song „Mary Green“, der für die Legalisierung von Cannabis
steht und von Milla mit einigen Worten zur aktuellen Situation eröffnet
wurde, weiter. Dabei kam dann eine Mary Green mit großem Joint als
Showelement auf die Bühne. Es folgte eine Kombination aus den beiden
Stücken „Die Kinder ziehn zum Strand“ und „Könige der Welt“. Vor allem
„Könige der Welt“ glänzte in der Version, die in den 2000’ern gespielt
wurde und rhythmisch ein wenig an den Sound von Peter Gabriel
heranreichte.




Es war
schon kurz vor Mittenacht, als dann ein weiteres Stück, das bei keinem
Auftritt der Band fehlen darf und dass zum Tafelsilber der Band gehört,
angestimmt wurde. Es handelt sich natürlich um „Sonnentanz“, der
80’er-Jahre-Version von „Solar Music“. Hier lief die Band zur Höchstform
auf. Rolf und Demian wechselten sich an Percussion und Schlagzeug mehrfach
ab und sorgten für den perfekten Rhythmus. Manu und Kevin spielten sich
die Bälle zu und ergänzten sich perfekt mit ihrem Gitarrenspiel. Während
Deva für den sphärischen Unterboden sorgte, verzierte Milla ein ums andere
Mal mit seinem polyphonen Bassspiel und vor allem dem druckvollen Einsatz
seines Basssynthesizers, der wieder eine wohlige Druckwelle in den Raum
schickte, das Stück. Ich liebe es, wenn ich diese Vibrationen vom
Basssynthesizer am Körper spüre. Toni und Armin (er zupfte auch die
Akustikgitarre) warfen sich die gesanglichen Bälle zu, in die auch Milla
und die anderen teilweise mit einstiegen. Darüber hinaus war das Stück
wieder von herrlichen Soli von Kevin, Manu, Deva und Milla durchzogen, die
keine Wünsche offenließen. Optisch waren natürlich auch wieder der
Sonnengott, die Lichtschwerter und die Pyro im Programm. Das war dann ein
grandioser Abschluss des offiziellen Teils, aber noch nicht das Ende.




Als
Zugabe wurde dann das Finale von „Solar Music“ gespielt, bei dem dann auch
der Wikinger auf die Bühne kam und die leicht melancholische Stimmung
dieses Parts unterstrich indem er langsam mit einer mystischen Laterne
über die Bühne schritt. Danach sollte eigentlich Schluss sein, doch Milla
erklärte spontan, dass sie extra für die Frau des Veranstalters noch „Wie
der Wind“ als letzte Zugabe spielen würden. In diesem Song hatte vor allem
Toni am Mikro seinen Auftritt. Und sein Gesang war auf den Punkt, wie in
alten Zeiten.





Rockpommel’s Band schafften es, den Spirit, der sich vor allem ab 2010 mit
der Komplettaufführung von „Rockpommel’s Land“ ergeben hat, wieder auf die
Bühne zu transferieren. Zwar war noch nicht alles perfekt (die
Erwartungshaltung war bei vielen, die 2007 – 2010 die Konzerte erlebt
hatten, groß), das ist aber auch kein Wunder, denn es war in dieser
Konstellation erst ihr vierter Liveauftritt. Darüber hinaus ist das
gebotene Repertoire vom Umfang und der Komplexität auch nicht gerade das
einfachste Material. Bei Livekonzerten ist aber immer wichtig, dass eine
Band durch ihre Spielfreude und der Musik eine Verbindung zum Publikum
aufbaut und das ist der achtköpfigen Formation perfekt gelungen. So gab es
nicht nur einen tosenden Applaus am Ende des Konzertes, es wurde auch
immer wieder Zwischenapplaus für die gelungenen Soli spendiert.




Schön,
dass es mit dieser Formation wieder die Grobschnitt-Musik in elektrischer
Form gibt. In dieser Form werden sie die Euphorie der Vergangenheit wieder
entfachen und nicht nur die alten Fans begeistern, sondern auch neue Fans
hinzugewinnen.