Die
Britin Rosalie Cunningham gilt zwar immer noch als Geheimtipp, ist aber
auf dem besten Weg groß rauszukommen. Bereits im Alter von 16 Jahren
gründete sie ihre erste Band Ipso-Facto, die aus vier Musikerinnen
bestand. Später ging es dann über die Band Purson (2011 bis 2017) bis zu
ihrem im Jahr 2019 selbstbetitelten Album, wodurch sie die Presse
aufhorchen ließ. Sie hat sich über die Jahre eine große musikalische
Bandbreite angeeignet, die sich in ihren Songs widerspiegelt. Und auch ihr
Gesang zeigt sich mit einer markanten Stimme sehr variable, was bei dem
Konzert gut zur Geltung kam. Mittlerweile hat Rosalie drei Studioalben
unter ihrem Namen veröffentlicht, bei denen sie unter anderem auch eine
Vielzahl an Instrumenten selbst spielt.




Rosalie
Cunninghams Musik orientiert sich am Rock der 70’er Jahre und
transformiert diesen in die aktuelle Zeit. In den Songs blitzten immer mal
Referenzen an große Bands dieser Ära auf, allerdings macht Rosalie ihr
ganz eigenes Ding daraus. Das machte sie beim Konzert auf so
eindrucksvolle Art und mit einer Energie – die auch von ihrer Band mit
getragen wurde – dass man von Beginn an gefangen genommen war.




Rosalie
und Band starteten gegen 18 Uhr zu einem gut 90minütigen Set, das im
Wesentlichen aus Stücken ihres aktuellen Albums „To Shoot Another Day” aus
dem Jahr 2024 bestand. Auf der Bühne standen neben Rosalie Cunningham
(Gitarre, Gesang) Rosco Wilson (Gesang, Gitarre), Claudia „Speedy“
González Diaz (Bass, Backgroundgesang, Flöte), Aaron Bolli Thompson
(Keyboard) und Raphael Mura (Schlagzeug).



Rosalie
und Band legten gleich ordentlich los und rockten das Haus von der ersten
Sekunde an. Zwar ist Rosalie der Kopf des Ganzen, sie ließ aber auch ihren
Mitstreitern genug Raum um sich zu entfalten. Das zeigte sich vor allem
bei Claudia „Speedy“ González Diaz (Bass, Backgroundgesang, Flöte) die
richtig auf der Bühne abging und oft ihre Haare durch die Luft wirbelte.
Rosalie und Band spielten die Stücke in wesentlich druckvolleren und
raueren Versionen als in den Studiofassungen. Hier zeigte sich sie vor
allem ihre Stärken in der Liveperformance haben. Rosalie sollte unbedingt
ein Livealbum veröffentlichen, das die ganze Kraft ihrer Auftritte
konserviert, denn im Gegensatz zu den Studioalben ist sie live eine
Urgewalt.




Ihr Set
begann mit dem Titelstück ihres aktuellen Albums, das sich nicht nur vom
Titel her, sondern auch von der Melodie gut für eine James
Bond-Titelmelodie eignen würde. „Duet” zeigte sich als kraftvoller
Rocksong mit 70’er-Jahre Feeling, bei dem die Twinguitars von Rosalie und
Rosco á la Wishbone Ash sowie die Orgelklänge dieses Feeling
unterstützten.




„Wool”
und „Tempest And The Tide” stammten von Rosalies ehemaliger Band Purson.
Eine Mischung aus Bluesrock und Southernrock mit einer Spur Boogie kamen
unter anderem im Song „Wool” auf. Vor allem aber das ausufernde „Tempest
And The Tide”, mit einem leicht psychedelischen Touch, das von Aaron Bolli
Thompson mit einer Jon Lord-Gedächtnis-Orgelpassage eingeleitet wurde,
zeigte sich als eines der Highlights des Konzertes. Auch kamen einige
Klänge und Rhythmen auf, die an Led Zeppelin, Santana & Co. erinnerten.
Verfeinert wurde nicht nur dieser Song durch die teils flirrenden
Querflöteneinwürfe von Claudia González Diaz, die auch ansatzweise an
Jethro Tull erinnerten. Darüber hinaus glänzte auch Rosalies
Akustikgitarrenspiel, während Rosco Wilson seine Gitarre zum singen
brachte.



Im
abschließenden „Ride My Bike” von ihrem ersten Soloalbum waren
streckenweise Gitarrenklänge auszumachen, die an Brian May von Queen
erinnerten. So endet dann – leider ohne die geforderte Zugabe – ein
wunderbares, druckvolles Konzert von Rosalie Cunningham und ihrer Band.
Sie und ihre Mitstreiter/in zeigten sich auch sehr Fannahe und erfüllten
am Merchstand Selfie- oder Autogrammwünsche. Man sollte sich Rosalies
Namen unbedingt merken. Ich bin mir sicher, dass sie ihren Weg gehen wird.