Interview mit Superthousand
im Juni 2026 per Email geführt

Die Verwendung dieses Interviews oder Auszüge daraus, sind nur mit Zustimmung des Autors erlaubt.

Die aus Gummersbach stammende Band Superthousand wurde bereits vor 14 Jahren gegründet und hat bisher vier Alben herausgebracht. Die Band besteht aktuell aus Dominik Mertens (Gitarren, Gesang), Lars Dreier (Bass, Keyboards, Synthesizers, Samples, Loops, Backgroundgesang) und Markus Missbrandt (Schlagzeug, Backgroundgesang). Am 01.05.2026 eröffneten sie das EMPIRE Of Prog Festival in Ramstein und sorgten bei den Besuchern für offene Münder und waren für viele Besucher die beste Band des ersten Tages. Da das Trio bisher zu wenig Beachtung findet, hat Stephan Schelle mit der Band gesprochen.

Stephan: Erzä̈hlt doch zunächst ein bisschen ü̈ber die Anfä̈nge der Band. Haben sich im Laufe der Zeit Besetzungswechsel ergeben oder ist hier immer noch die Grü̈ndungsmannschaft am Werk?

Markus: Die Grü̈ndungsmitglieder sind immer noch am Start, wir haben uns nach dem zweiten Album 2016 allerdings von unserem Gitarristen Nick getrennt. Angefangen hat alles 2012, weil Lars und ich (Markus) aus einem Folkrock Projekt kamen, das sich gerade aufgelö̈st hatte. Wir kannten Mick aus seiner vorherigen Band und haben ihn auf einem Stadtfest angesprochen. Er war mit Nick damals in einem Beatles Cover Projekt und so standen wir irgendwie dann zu viert erst eine Nacht in der hiesiegen Rockdisco und wenig spä̈ter im Proberaum. Blight war der erste Song, den wir damals geschrieben haben.

Stephan: Kann man sagen dass sich euer musikalischer Stil in der Schnittmenge von Art-, Progressive und Postrock bewegt?

Das kann man sagen. Muss man aber nicht. Wir machen uns da wenig Gedanken drü̈ber, weil wir schreiben, was uns in den Sinn kommt. Aber wer diese Stile mag, wird sich auch mit unseren Songs wohl fühlen können. Wir haben irgendwann den Ü̈berbegriff Progrock gewä̈hlt, um ü̈berhaupt irgendwie im richtigen Regal zu landen.

Stephan: In einigen eurer Songs meine ich Anklä̈nge zu Bands wie Porcupine Tree und Riverside herausgehört zu haben. Welche Bands haben euch beeinflusst und habt ihr zuvor schon in anderen Bands gespielt?

Markus: Dream Theater und tausend andere. Es ist eine krude Mischung. Ich habe aber eigentlich vor Superthousand und auch heute noch parallel Punkrock, Hardcore und Metal gemacht.

Lars: Ich fürchte ich kann nicht mit den klassischen Progressive Rock Referenzen dienen. Ich habe noch nie einen Riverside oder Porcupine Tree Song bewusst gehört. Ok, ich mag Pink Floyd und die späteren Genesis sehr, aber ich bin hauptsächlich im Indie, Folk oder auch im Stoner, Psychodelic und Electro zuhause. Vor Superthousand habe ich in einem 70s Classic Rock Projekt gespielt.

Mich inspirieren Bands, die es auf der Bühne schaffen, die Menschen mit Energie und Emotionen zu überwältigen. Ich versuche dann jedesmal, mir alles abzugucken. Ansonsten bin ich großer Fan von guten Songtexten und gelungenen Arrangements. Und ich stelle mir beim Songwriting immer schon vor, wie es sich wohl anfühlt das live zu spielen und zu hören, was man da gerade fabriziert. Da merkt man schnell, ob etwas funktioniert oder nicht.

Dominik: Ich hab früher ne Menge Marillion und Yes gehört, aber eben auch völlig anderes Zeug wie z.B. Levellers. Meine erste Band war auch ein Folk-Punk-Projekt das stark an den Sound der Levellers angelehnt war. Porcupine Tree und Steven Wilson sind aber auch schon seit einigen Jahren musikalische Begleiter meines Lebens.

Stephan: Wie entstehen eure Stü̈cke? Ist das eine Zusammenarbeit aller Bandmitglieder wä̈hrend einer Jamsession oder bringt einer von euch eine Idee mit ins Studio, die dann ausgebaut wird?

Eher ersteres. Sicherlich gibt es mal eine Idee oder einen Text, um den man dann alles spinnt, aber das meiste entsteht doch in Gemeinschaft. Teils auch mit recht kontroversem Austausch.

Stephan: Euer erstes Album „Universe – Reverse“ ist bereits im Jahr 2013 erschienen. Darauf fanden sich sechs teils unterschiedliche Stücke. Auch auf euren Nachfolgealben geht ihr sehr abwechslungsreich zur Sache. Ist genau das euer Ding, euch nicht unbedingt auf einen Stil festzulegen?


"Universe - Reverse" (2013)

Nein. Unser Ding ist es Musik zu machen, die uns bewegt. Bzw. muss man ja sagen, irgendetwas bewegt uns...uns alle drei...und irgendwie wird dann daraus die Musik. Was da für ein Stil bei raus kommt, ist fast egal. Vielleicht ist es wie bei einem alten Ehepaar. Man weiß irgendwann ganz gut, wo man gerne essen geht.


"Voyage" (2016)

Stephan: Bisher seid ihr unter dem Radar geflogen, obwohl ihr drei gute und mit eurem aktuellen Album „Four“ aus dem Jahr 2025 ein herausragendes Album verö̈ffentlicht habt. Woran liegt es, dass ihr noch nicht deutlicher in der Szene in Erscheinung getreten seid?

Die dritte Platte, die wir schon als Trio geschrieben und aufgenommen haben, ist im April 2020 erschienen. Da war gerade Hoch-Corona und wir hatten eine Platte, aber keine Mö̈glichkeit, Auftritte zu spielen. Wobei wir auch die 200 Vinyl und die 300 CDs recht schnell ausverkauft haben, aber das hat sich alles online abgespielt.


"#trnsition" (2020)

Stephan: Beim EMPIRE Of Prog Festival habt ihr die schwere Aufgabe, das Festival am ersten Tag zu erö̈ffnen, mit Bravour absolviert. Die Zuschauerreaktionen waren euphorisch und viele der Besucher haben euch als beste Band des ersten Tages eingestuft. Wie habt ihr euer Konzert erlebt und wart ihr von den Zuschauerreaktionen ü̈berrascht?

Das Konzert war für uns wundervoll. Ein Saal voller Leute, die das hö̈ren wollten, was wir machen. Es kommt unglaublich viel zurü̈ck, wenn man auf ein verstä̈ndiges Publikum trifft und das hat es fü̈r uns zu einer tollen Show gemacht. Überraschend war die unglaublich große Resonanz. Wir wissen, dass wir eigentlich ganz gut ankommen, aber mit so einem Ansturm haben wir nicht gerechnet. Das war toll.

Stephan: Habt ihr das Gefühl, dass der Auftritt in Ramstein euch einen Bekanntheitsschub gegeben hat?

    
Superthousand live Empire Of Prog Festival 01.05.2026

Auf jeden Fall. Schon alleine dass wir mit dir gerade sprechen, ist ja so ein Teil davon. Wir waren auch schon in einem Podcast und da stehen auch noch Radioshows aus. Außerdem sind wir noch auf die Zappanale am 16.07.2026 gebucht worden und haben die große Ehre auf dem eclipsed Sampler der Juniausgabe vertreten zu sein. (Anmerkung: Auch auf der Heft-CD der EMPIRE-Ausgabe Juni 2026 findet sich ein Track der Band.)

Stephan: Im Titelstü̈ck eures aktuellen Albums „Four“ findet sich Gesang, der wie eine Mischung aus den Zwergengesängen der Tolkien- Verfilmungen von Peter Jackson und Riverside anmutet. War das bewusst so aufgenommen oder wie seid ihr darauf gekommen?


"Four" (2025)

Haha. Das ist einfach so passiert. Wir haben es beim Schreiben den Rudern-Part genannt. Wie auf einer Galeere, deren Ruderer von einer Trommel angetrieben werden.

Stephan: Und im Stü̈ck „Gift“ vom aktuellen Album „Four“ habt ihr treibende elektronische, fast schon technoartige Sequenzerrhythmen eingebaut. Der Track bekommt dadurch eine ungeheure Dynamik und man möchte am liebsten anfangen zu tanzen. Wie kamt ihr auf diese geniale Idee?

Markus: Danke für die Blumen. Ist eigentlich ganz einfach. Wir haben recht viele Stü̈cke mit Tiefe und Schwere, Stü̈cke, die sich Zeit lassen und Energie aufbauen. Da kam irgendwann der Wunsch nach einer flotten Nummer. Und so ist nach vielem Herumprobieren „Gift“ entstanden. Es freut uns, dass es gut ankommt bei den Leuten.

Markus Missbrandt live EMPIRE Of Prog Festival 01.05.2026

Dominik: Dass Menschen zu unseren Songs vor der Bühne tanzen passiert tatsächlich regelmäßig - vor allem bei Open-Airs mit einem gemischten Line-Up und Publikum. Wir mögen das, weil es uns mit dem Publikum nochmal auf eine andere Weise verbindet.

Stephan: Wie wichtig sind fü̈r euch elektronische Klä̈nge und wie schafft ihr es als Trio das in eure Livegigs zu integrieren?

Sie sind ein Teil unseres Sounds. Darum gehö̈ren sie dazu und finden immer irgendwie ihren Platz. Technisch sieht das so aus, dass bestimmte Sounds aus Ableton abgespielt werden. Zudem ist Lars echt großartig darin, alles gleichzeitig zu tun. Wenn er Gitarre spielt, spielt er den Bass mit dem Fuß. Wenn er Bass spielt, steuert er mit dem Fuß die Mellotronpassagen und das dann noch alles kreuz und quer zu einem Backingtrack, der in bestimmten Teilen der Songs aktiviert wird.

              
Dominik Mertens und Lars Dreier live EMPIRE Of Prog Festival 01.05.2026

Stephan: Ihr habt in Ramstein angekündigt, dass ihr an einem neuen Album arbeitet. Wie weit ist der Prozess vorangeschritten und wann ist mit der Verö̈ffentlichung zu rechnen?

Angekü̈ndigt klingt recht groß. Wir haben aber bereits einige gute Ideen fü̈r neue Songs und versuchen neben den Proben fü̈r die Konzerte auch das Schreiben nicht zu vernachlässigen. Im Herbst gibt es eine Woche Bandurlaub, in der wir nur schreiben werden. Mal sehen, was da passiert.

Stephan: Wie sehen eure weiteren Plä̈ne aus? Wo kann man euch in nä̈chster Zeit live erleben?

Wie gesagt schreiben wir an neuem Material, ganz entspannt, und dann freuen wir uns auf die Konzerte in diesem Jahr. Da sind wir am 27.06. in Eckenhagen in der Kulturkantine. Ein wundervoller Ort, an dem wir schon mehrfach waren. Und Ende des Jahres, am 30.12. gibt es unser Superthousand Homecoming Festival in der Halle 32 in Gummersbach. Wir laden zwei weitere Bands aus der Post- und Progszene ein und machen ein kleines Festival. Ich hoffe, dass wir bald in den VVK gehen können. Aber alle Termine findet ihr auch auf superthousand.de. Und wer uns auf Insta folgt oder Facebook sollte auch mitbekommen, wenn Termine anstehen.

Stephan Schelle

Menue - Musiker