Die aus
Gummersbach stammende Band Superthousand wurde bereits vor 14 Jahren
gegründet und hat bisher vier
Alben herausgebracht. Die Band besteht aktuell aus Dominik Mertens
(Gitarren, Gesang), Lars Dreier (Bass, Keyboards, Synthesizers, Samples,
Loops, Backgroundgesang) und Markus Missbrandt (Schlagzeug,
Backgroundgesang). Am 01.05.2026 eröffneten
sie das EMPIRE Of Prog Festival in Ramstein und sorgten bei den
Besuchern für offene Münder
und waren für viele Besucher
die beste Band des ersten Tages. Da das Trio bisher zu wenig Beachtung
findet, hat Stephan Schelle mit der Band gesprochen.

Stephan:
Erzä̈hlt
doch zunächst ein bisschen ü̈ber
die Anfä̈nge der Band.
Haben sich im Laufe der Zeit Besetzungswechsel ergeben oder ist hier
immer noch die Grü̈ndungsmannschaft
am Werk?
Markus:
Die Grü̈ndungsmitglieder sind immer noch am Start, wir haben uns nach dem
zweiten Album 2016 allerdings von unserem Gitarristen Nick getrennt.
Angefangen hat alles 2012, weil Lars und ich (Markus) aus einem Folkrock
Projekt kamen, das sich gerade aufgelö̈st
hatte. Wir kannten Mick aus seiner vorherigen Band und haben ihn auf
einem Stadtfest angesprochen. Er war mit Nick damals in einem Beatles
Cover Projekt und so standen wir irgendwie dann zu viert erst eine Nacht
in der hiesiegen Rockdisco und wenig spä̈ter
im Proberaum. „Blight“ war der erste Song, den wir damals geschrieben
haben.
Stephan:
Kann man sagen dass sich euer musikalischer Stil in der Schnittmenge
von Art-, Progressive und Postrock bewegt?
Das kann man
sagen. Muss man aber nicht. Wir machen uns da wenig Gedanken drü̈ber,
weil wir schreiben, was uns in den Sinn kommt. Aber wer diese Stile mag,
wird sich auch mit unseren Songs wohl fühlen können. Wir haben irgendwann den Ü̈berbegriff Progrock gewä̈hlt,
um ü̈berhaupt irgendwie im
richtigen Regal zu landen.
Stephan:
In einigen eurer Songs meine ich Anklä̈nge
zu Bands wie Porcupine Tree und Riverside herausgehört zu haben. Welche
Bands haben euch beeinflusst und habt ihr zuvor schon in anderen Bands
gespielt?

Markus:
Dream Theater und tausend andere. Es ist eine krude Mischung. Ich habe
aber eigentlich vor Superthousand und auch heute noch parallel Punkrock,
Hardcore und Metal gemacht.
Lars:
Ich fürchte ich kann nicht mit den klassischen Progressive Rock
Referenzen dienen. Ich habe noch nie einen Riverside oder Porcupine Tree
Song bewusst gehört. Ok, ich mag Pink Floyd und die späteren Genesis
sehr, aber ich bin hauptsächlich im Indie, Folk oder auch im Stoner,
Psychodelic und Electro zuhause. Vor Superthousand habe ich in einem 70s
Classic Rock Projekt gespielt.
Mich
inspirieren Bands, die es auf der Bühne schaffen, die Menschen mit
Energie und Emotionen zu überwältigen. Ich versuche dann jedesmal, mir
alles abzugucken. Ansonsten bin ich großer Fan von guten Songtexten und
gelungenen Arrangements. Und ich stelle mir beim Songwriting immer schon
vor, wie es sich wohl anfühlt das live zu spielen und zu hören, was man
da gerade fabriziert. Da merkt man schnell, ob etwas funktioniert oder
nicht.
Dominik:
Ich hab früher ne Menge Marillion und Yes gehört, aber eben auch völlig
anderes Zeug wie z.B. Levellers. Meine erste Band war auch ein
Folk-Punk-Projekt das stark an den Sound der Levellers angelehnt war.
Porcupine Tree und Steven Wilson sind aber auch schon seit einigen
Jahren musikalische Begleiter meines Lebens.
Stephan:
Wie entstehen eure Stü̈cke?
Ist das eine Zusammenarbeit aller Bandmitglieder wä̈hrend
einer Jamsession oder bringt einer von euch eine Idee mit ins Studio,
die dann ausgebaut wird?
Eher ersteres.
Sicherlich gibt es mal eine Idee oder einen Text, um den man dann alles
spinnt, aber das meiste entsteht doch in Gemeinschaft. Teils auch mit
recht kontroversem Austausch.
Stephan:
Euer erstes Album „Universe –
Reverse“ ist bereits im Jahr 2013 erschienen. Darauf fanden sich sechs
teils unterschiedliche Stücke.
Auch auf euren Nachfolgealben geht ihr sehr abwechslungsreich zur Sache.
Ist genau das euer Ding, euch nicht unbedingt auf einen Stil
festzulegen?

"Universe - Reverse" (2013)
Nein. Unser
Ding ist es Musik zu machen, die uns bewegt. Bzw. muss man ja sagen,
irgendetwas bewegt uns...uns alle drei...und irgendwie wird dann daraus
die Musik. Was da für ein Stil
bei raus kommt, ist fast egal. Vielleicht ist es wie bei einem alten
Ehepaar. Man weiß irgendwann ganz gut, wo man gerne essen geht.

"Voyage" (2016)
Stephan:
Bisher seid ihr unter dem Radar geflogen, obwohl ihr drei gute und mit
eurem aktuellen Album „Four“ aus dem Jahr 2025 ein herausragendes Album
verö̈ffentlicht habt. Woran
liegt es, dass ihr noch nicht deutlicher in der Szene in Erscheinung
getreten seid?
Die dritte
Platte, die wir schon als Trio geschrieben und aufgenommen haben, ist im
April 2020 erschienen. Da war gerade Hoch-Corona und wir hatten eine
Platte, aber keine Mö̈glichkeit,
Auftritte zu spielen. Wobei wir auch die 200 Vinyl und die 300 CDs recht
schnell ausverkauft haben, aber das hat sich alles online abgespielt.

"#trnsition" (2020)
Stephan:
Beim EMPIRE Of Prog Festival habt
ihr die schwere Aufgabe, das Festival am ersten Tag zu erö̈ffnen, mit Bravour absolviert. Die Zuschauerreaktionen waren euphorisch
und viele der Besucher haben euch als beste Band des ersten Tages
eingestuft. Wie habt ihr euer Konzert erlebt und wart ihr von den
Zuschauerreaktionen ü̈berrascht?
Das Konzert war
für uns wundervoll. Ein Saal voller Leute, die das hö̈ren
wollten, was wir machen. Es kommt unglaublich viel zurü̈ck,
wenn man auf ein verstä̈ndiges
Publikum trifft und das hat es fü̈r
uns zu einer tollen Show gemacht. Überraschend
war die unglaublich große Resonanz. Wir wissen, dass wir eigentlich ganz
gut ankommen, aber mit so einem Ansturm haben wir nicht gerechnet. Das
war toll.
Stephan:
Habt ihr das Gefühl, dass der Auftritt in Ramstein euch einen Bekanntheitsschub gegeben
hat?

Superthousand live Empire Of Prog Festival
01.05.2026
Auf jeden Fall.
Schon alleine dass wir mit dir gerade sprechen, ist ja so ein Teil
davon. Wir waren auch schon in einem Podcast und da stehen auch noch
Radioshows aus. Außerdem sind wir noch auf die Zappanale am 16.07.2026
gebucht worden und haben die große Ehre auf dem eclipsed Sampler der
Juniausgabe vertreten zu sein.
(Anmerkung: Auch auf der Heft-CD der
EMPIRE-Ausgabe Juni 2026 findet sich ein Track der Band.)
Stephan:
Im Titelstü̈ck eures aktuellen
Albums „Four“ findet sich Gesang, der wie eine Mischung aus den
Zwergengesängen der Tolkien-
Verfilmungen von Peter Jackson und Riverside anmutet. War das bewusst so
aufgenommen oder wie seid ihr darauf gekommen?

"Four" (2025)
Haha. Das ist
einfach so passiert. Wir haben es beim Schreiben den Rudern-Part
genannt. Wie auf einer Galeere, deren Ruderer von einer Trommel
angetrieben werden.
Stephan:
Und im Stü̈ck „Gift“ vom
aktuellen Album „Four“ habt ihr treibende elektronische, fast schon
technoartige Sequenzerrhythmen eingebaut. Der Track bekommt dadurch eine
ungeheure Dynamik und man möchte
am liebsten anfangen zu tanzen. Wie kamt ihr auf diese geniale Idee?
Markus:
Danke für die Blumen. Ist eigentlich ganz einfach. Wir haben recht viele Stü̈cke
mit Tiefe und Schwere, Stü̈cke,
die sich Zeit lassen und Energie aufbauen. Da kam irgendwann der Wunsch
nach einer flotten Nummer. Und so ist nach vielem Herumprobieren „Gift“
entstanden. Es freut uns, dass es gut ankommt bei den Leuten.

Markus Missbrandt live
EMPIRE Of Prog Festival 01.05.2026
Dominik:
Dass Menschen zu unseren Songs vor der Bühne tanzen passiert tatsächlich
regelmäßig - vor allem bei Open-Airs mit einem gemischten Line-Up und
Publikum. Wir mögen das, weil es uns mit dem Publikum nochmal auf eine
andere Weise verbindet.
Stephan:
Wie wichtig sind fü̈r euch elektronische Klä̈nge
und wie schafft ihr es als Trio das in eure Livegigs zu integrieren?
Sie sind ein
Teil unseres Sounds. Darum gehö̈ren
sie dazu und finden immer irgendwie ihren Platz. Technisch sieht das so
aus, dass bestimmte Sounds aus Ableton abgespielt werden. Zudem ist Lars
echt großartig darin, alles gleichzeitig zu tun. Wenn er Gitarre spielt,
spielt er den Bass mit dem Fuß. Wenn er Bass spielt, steuert er mit dem
Fuß die Mellotronpassagen und das dann noch alles kreuz und quer zu
einem Backingtrack, der in bestimmten Teilen der Songs aktiviert wird.

Dominik Mertens und
Lars Dreier live EMPIRE Of Prog Festival 01.05.2026
Stephan:
Ihr habt in Ramstein angekündigt, dass ihr an einem neuen Album
arbeitet. Wie weit ist der Prozess vorangeschritten und wann ist mit der
Verö̈ffentlichung
zu rechnen?
Angekü̈ndigt
klingt recht groß. Wir haben aber bereits einige gute Ideen fü̈r
neue Songs und versuchen neben den Proben fü̈r die Konzerte auch das Schreiben nicht zu vernachlässigen.
Im Herbst gibt es eine Woche Bandurlaub, in der wir nur schreiben
werden. Mal sehen, was da passiert.
Stephan:
Wie sehen eure weiteren Plä̈ne
aus? Wo kann man euch in nä̈chster
Zeit live erleben?
Wie gesagt
schreiben wir an neuem Material, ganz entspannt, und dann freuen wir uns
auf die Konzerte in diesem Jahr. Da sind wir am 27.06. in Eckenhagen in
der Kulturkantine. Ein wundervoller Ort, an dem wir schon mehrfach
waren. Und Ende des Jahres, am 30.12. gibt es unser Superthousand
Homecoming Festival in der Halle 32 in Gummersbach. Wir laden zwei
weitere Bands aus der Post- und Progszene ein und machen ein kleines
Festival. Ich hoffe, dass wir bald in den VVK gehen können.
Aber alle Termine findet ihr auch auf superthousand.de. Und wer uns auf
Insta folgt oder Facebook sollte auch mitbekommen, wenn Termine
anstehen.
Stephan Schelle