Am 21.02.2026 hat der aus den neuen
Bundesländern stammende Wolfgang „Paule“ Fuchs bei der
Schallwelle-Preisverleihung den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhalten.
Darüber hinaus erschien mit „Planetenwind 2“ eine Werkschau als DoppelCD
und das „POND-Buch“. Grund genug für Stephan Schelle um mit Paule über die
aktuellen Veröffentlichungen und die Preisverleihung zu reden.

Promofoto
Paule, wir haben ja bereits im Jahr 2021
ein ausführliches Interview über deinen Werdegang geführt. Was hat sich
musikalisch seither bei dir getan?
Eine Menge hat sich seit 2021 getan.
Ich habe sehr viel zu tun, arbeite sozusagen an mehreren musikalischen
Fronten. Mein 20.!! POND-Album ist vor kurzem erschienen fast gleichzeitig
mit dem POND-BUCH, welches um weitere 15 Kapitel und 50 Fotos erweitert
und neu aufgelegt wurde. Beides läuft gut und wird stark nachgefragt. Das
Buch, sowie die innenliegende DVD ‚Kult-Ulk’ erhielt den Kulturpreis vom
Deutschen Rockmusikerverband. Apropos Preis: Im Februar bekam ich vom
Schallwelleverein den Preis für das Lebenswerk überreicht. Nun darf ich
mich in die illustre Reihe von TD, Kraftwerk, Klaus Schulze, Jarre und
Vangelis u.a. einreihen, wie man mir sagte. Was für eine Ehre!
Als nächstes Album-VÖ möchte ich
endlich meinen Auftritt mit Thorsten Quaeschning von Tangerine Dream im
April 2021 in der UFA-Fabrik veröffentlichen. Es heißt: BEHIND CLOSED
DOORS und wurde ohne Publikum aufgenommen.
Am 21.02.2026 hast du den „Ehrenpreis
für dein Lebenswerk“ bei der Schallwelle-Preisverleihung erhalten. Welchen
Wert hat diese Auszeichnung für dich?
Dieser Preis bedeutet mir wirklich sehr
viel und bildet sicher, zusammen mit den beiden Kulturpreisen vom
Deutschen Rockmusikerverlag für mein ‚Das POND-BUCH’ und die DVD Rock-Doku
‚Kult-Ulk’ den Höhepunkt meiner bisherigen künstlerischen Laufbahn. Dieser
Verein sitzt mitten im Westen, wo die Sonne aufgeht, in Bochum. Vorwiegend
westdeutsche Elektronikmusiker erhielten bisher diesen begehrten Preis.
Und nun zum ersten Mal ein Musiker aus den neuen Ländern. Ich bin
überwältigt und fühle mich außerordentlich geehrt.

Paule Fuchs bekommt den Schallwelle-Preis
Den Preis hat kein geringerer als die
Radiolegende Winfrid Trenkler überreicht. Er hat dich in der Sendung
„Schwingungen“, die von 1981 bis 1995 im WDR lief, im „Westen“ bekannt
gemacht. Hat sich damals eine Freundschaft zwischen Winfrid und dir
entwickelt und wie hilfreich war sein Support im Radio für dich und deine
Musik?
Ich hörte von Winfried Trenkler und
seine Sendung ‚Schwingungen’. Ich bewarb mich bei ihm und wurde zu dieser
Sendung eingeladen, zu der ich extra nach Köln fuhr. Das war alles sehr
spannend und aufregend zu dieser Zeit, kostete mich aber eine Menge Zeit,
Anstrengungen und Geld.
Diese Aktion hat leider überhaupt
nichts gebracht, außer eine Menge Freude und Aufregung. Nicht einen
Tonträger habe ich dadurch verkauft. Auch im Westen war und ist diese Art
der Musik wie auch überall auf der Welt eben eine ‚Nischenmusik’ und kein
Mainstream. Dies war mir aber schon vorher klar, bevor die Mauer fiel,
denn wie bekannt durfte ich schon ab 1987 nach West-Berlin reisen. Dort
bemerkte ich, dass die dortigen Künstler nicht von ihrer Musik leben
konnten. Was hatte ich doch für ein tolles, quasi privilegiertes Leben.
Dies bemerkte ich sofort und war mir auch dessen bewusst.
Die EM war und ist eine Nischenmusik.
Das Interesse ist bei den Liebhabern dieser musikalischen Spielart groß,
darüber hinaus ist es eher gering. Natürlich gibt es auch Ausnahmen bei
den Protagonisten wie TD, Kraftwerk und JMJ. POND kennt man, wenn
überhaupt, nur in den neuen Bundesländern. Das ist ja das Manko von allen
DDR-Gruppen, die eben in Westdeutschland so gut wie unbekannt sind,
abgesehen von Puhdys, Karat, City und Silly. Liebhaber der EM, und
allgemein des Prog-Rock gibt es aber auch heute noch.
Das verwundert mich, denn in 1991 habe
ich schon deine Alben „Planetenwind“ und „Maschinenmensch“ über CUE
Records, dem Versand von Jörg Strawe aus der Eifel bezogen. Auch die „Space
Walks“ hat er 1993 im Programm gehabt. Hast du in der Tat kaum Alben
damals über den doch sehr bekannten Versand verkaufen können?
Der Verkauf durch
die ‘Schwingungen-Sendung’ war ja Deine Frage. Und darüber habe ich
tatsächlich keine CD verkaufen können. Ging auch schwer, da ja erst kurz
davor die Mauer fiel und ich noch keinen Online-Shop hatte. Darum ging es
nur über ‘private’ Verkaufswege wie z.B. CUE oder ein, zwei andere, die
sich aber sehr in Grenzen hielt. Erst mit der Eröffnung meines PONDshops
kommen auch ‘westdeutsche’ Käufer dazu, die aber wiederum meist ehemalige
DDR-Bürger sind. Es ist halt sehr schwer dem Westteil der Bevölkerung
klarzumachen, dass es im ‘Osten’ auch interessante Gruppen gab.
Du hast in 2025 mit „Planetenwind 2“
eine weitere Werkschau veröffentlicht. Das Besondere dabei ist der
Livemitschnitt aus dem Jahr 1984 in Löbau. Den Mitschnitt hat ja ein Fan,
Torsten Jänsch, gemacht. Wie kam es zu der Veröffentlichung und wie viel
Zeit musstest du in das Mastering legen um die Aufnahme zu restaurieren,
dass sie gut klingt?

Ja, die eine Scheibe meines neuen
Albums ‚Planetenwind 2’ ist ein Live-Mitschnitt eines POND-Konzerts aus
dem Jahre 1984, wo wir im Kreiskulturhaus Löbau / Sachsen spielten. Dies
ist eine originelle Geschichte:
Ein Jugendlicher namens Torsten Jänsch
nahm seinen DDR-Kassettenrecorder mit, und nahm dann das ganze Konzert
auf. Das war’s erst einmal. 35 Jahre schlummerte der wertvolle Mitschnitt
in einer Zigarrenkiste, bis er eines Tages von Torsten, nun selbst schon
ein gestandener Musiker, die alte ORWO-Kassette entdeckte. Für ihn als
Elektroniker war es ein Bedürfnis diesen alten Schatz zu heben. Und es war
eine Zeitreise in längst vergangene Tage. Der Mitschnitt wurde
digitalisiert und mit den heutigen technischen Möglichkeiten so
bearbeitet, dass eine respektable Tonqualität erreicht wurde. Die
pandemiebedingte Pause nutzten wir beide für die Fertigstellung eines
weiteren Pond-Albums „Planetenwind 2“ sowie die dafür notwendigen
Konzertvorbereitungen der gleichnamigen Tour 2023/24 zum 45.
Band-Geburtstag. Auf der CD 1 ist nun der rare Mitschnitt, wieder ein
Stück Musikgeschichte, von 1984 in remasteter Aufnahmequalität zu hören.
Das Mastering selbst hat erstaunlicherweise Torsten Jänsch
höchstpersönlich realisiert. Eine Meisterleistung, wie von vielen
Musikerkollegen und Fachleuten bestätigt wurde. Er ist in den Jahren zu
einem guten Musiker und vor allem auch zu einem hervorragenden Techniker
avanciert. Dies trifft man nicht oft.

Promofoto
Du hast aber nicht nur eigene Stücke auf
der zweiten CD, sondern auch Stücke von anderen Künstlern in eigenen
Versionen neu eingespielt. Darunter Tangerine Dream’s „Das Mädchen auf der
Treppe“, „Rendezvous 2“ von Jean Michel Jarre und „Radioaktivität“ von
Kraftwerk. Wie kam es dazu und was bedeuten dir diese Musiker?
„Planetenwind 2“ ist mein mittlerweile
20.! POND-Album. Es stellt in gewisser Weise eine Retrospektive meiner
bisherigen musikalischen Laufbahn dar. Ein Teil, neben meinen eigenen
neuen und bekannten Kompositionen, widmete ich auch meinen damaligen
Vorbildern TANGERINE DREAM, Jean Michel JARRE, KRAFTWERK und VANGELIS.
Diese waren letztendlich auch der Grund, warum ich meine eigene Band POND
gründete.
Ich hatte das Glück einige der
Protagonisten der EM auch persönlich kennenzulernen, unter anderem Edgar
Froese, Christoph Franke, Klaus Schulze u.a. Von Anfang an war ich aber
bemüht einen eigenen, unverwechselbaren Musizierstil zu erlangen, was mir,
so glaube ich, auch gelungen ist.
Auch hast du auf dem Album eine
Kombination aus „Planetenwind“ und City’s „Am Fenster“ platziert. Diese
Kollaboration ist bereits auf einer EP mit dem Titel „Planetenwind vs. Am
Fenster“ erschienen. Was war der Hintergrund für diese Kombination und
welche Resonanz gab es darauf?

Auch einige meiner ostdeutschen
Musikerkollegen habe ich in drei Titeln einen Platz eingeräumt. Angefangen
hat es damit, dass ich auf der Probe mit meinem damaligen Bandkollegen
Manfred Hennig, der ja lange Zeit bei CITY die Tasten drückte, ihm
vorschlug die bekanntesten Titel von POND und CITY zu vereinen. Und das
war bei POND ‚Planetenwind’ – das erfolgreichste Instrumentalstück der
DDR-Musikgeschichte und City’s ‚Am Fenster’ wurde zum erfolgreichsten
Rocktitel der DDR-Musikgeschichte auserkoren.
Ich denke, dass dieser Mix gut gelungen
ist, wie oft zitiert wurde. Dasselbe tat ich dann mit KARAT ‚Der blaue
Planet’, den ich mit meinem ‚Jumbo’ verband. Und den PUHDYS-Titel ‚Das
Buch’ mit meiner Sturmglocke. Also, je einen Titel von den etablierten
Rockbands verknüpfte ich mit einem POND-Werk, welches aber vom
musikalischen Thema her passen musste.
Im Jahr 2003 ist die DoppelCD „Transponder“
zum 25jährigen Jubiläum von POND erschienen. Sie enthielt auch das
164seitige „POND-Buch“ im CD-Format. In 2025 hast du nun das „POND-Buch“
als gebundenes Buch in einer erweiterten Ausgabe mit einem Umfang von 254
Seiten herausgebracht. Was war die Intention für die erweiterte
Neuauflage?

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