Für Philipp war das Spielfeld Solo schnell zu
klein oder auch zu unbeweglich, besonders, wenn man Musik auch Live im
Team präsentieren wollte. Daher musizierte er auch im Berliner
Progressive-Rock-Trio Treehouse Scenery, aus dem später die Band Mt.
Amber entstand. Nun hat sich der Klang-Künstler, vier Jahre nach dem
Erfolg von „The Hungry Heart“, mit seinem vierten Werk Tangram sehr
stark zurückgemeldet. Es gibt Künstler und Bands die immer nach neuen
Ausdrucksformen und Klängen suchen, Philipp aus Berlin, du gehörst
dazu.
Ohne Übertreibung gehörst du zu den besten Klang-Malern der Welt. Wie
siehst du dich selbst?
Vielen Dank! Das Wort gefällt mir! Ich denke smalltape spiegelt meine
gesamte Identität als Künstler wider und die umfasst meine Arbeit als
Musiker, Sänger, Songwriter, Produzent aber auch als Tonmeister und
Sound Designer. Mir ist es wichtig, dass ich hinsichtlich all dieser
Facetten an jedem Album wachsen kann. Und idealerweise entsteht am Ende
eine Klang-Reise auf die sich die Zuhörer*innen begeben dürfen und in
der sie für sich selbst immer wieder Neues entdecken können. Und
insofern passt das Bild vom Klang-Malen, bei dem aus vielen Elementen
ein Gesamtwerk entsteht.
Wie beurteilst du bisher die Resonanz auf Tangram und die begleitenden
Kampagnen?
Die Resonanz aufs Album war durchweg positiv. Es sind sehr viele Reviews
erschienen, die sowohl die Musik also auch den Klang und das Konzept von
Tangram wertgeschätzt haben, was mich besonders freut. Dann für mich
haben sich die 7 unterschiedlichen Songs sehr gut zu einem Ganzen gefügt
– ich war mir aber nicht sicher ob das anderen auch so gehen würde.
Konntest du mit deiner erneuten Gründungsfinanzierung die Kosten für
„Tangram“ einigermaßen decken?
Das Crowdfunding war eine große finanzielle Hilfe. Davon konnte ich
zwar nur einen Teil der Kosten decken, aber ich würde die Kampagne
dennoch als erfolgreich werten. Denn man darf nicht vergessen, dass
hinter jeder Unterstützung eine Person steckt, die sich bewusst dafür
entschieden hat, ein Projekt wie dieses finanziell zu unterstützen. Und
in Zeiten wo das Geld bei allen nicht mehr so locker sitzt, ist das ein
besonderer Zuspruch und bedeutet mir viel.
Trotz der enormen technischen Herausforderungen, warum „Tangram“
doch als Dolby Atmos?
Zunächst wollte ich mich in dem Format ausprobieren, mich reizen wie
gesagt diese Herausforderungen an denen man am Ende wächst. In 5.1 habe
ich schon viel gemischt, aber halt noch nicht in Dolby Atmos. Daher
hatte ich auch Unterstützung von meinem Kollegen Christoph de la
Chevallerie, der sehr viel mehr Erfahrung in Atmos-Mischungen hat (und
übrigens das erste Album „Circles“ 2011 gemastert hat).
Und dann hat das Endergebnis nur bestätigt was ich schon beim Schreiben
des Albums gedacht habe: die Musik ist für Dolby Atmos prädestiniert
– oder umgekehrt! Ich würde nicht sagen, dass es das bessere Format
ist im Vergleich zum kompakten Stereo aber es kann die gleiche
Geschichte auf eine andere Art erzählen und ist dabei viel dynamischer
und kontrastreicher. Du versinkst im Klang und es erlaubt dir noch mehr
in der Musik zu entdecken.
Gleichzeitig ist Dolby Atmos sehr kompatibel und einfach zu handhaben
auf Seite der Hörer*innen. Von daher war es die richtige Entscheidung
und definitiv ein Format, auf das ich in Zukunft weiter zurückgreifen
werde.
Sich immer wieder versuchen neu zu erfinden, ist das nicht auch ein
Risiko?
Naja, kommerziell gesehen bewege ich mich nicht in Dimensionen in denen
ich meine große Karriere riskieren würde, wenn ich experimentiere oder
neue Wege gehe. Ein Album zu produzieren und selbst zu veröffentlichen
birgt an sich schon ein großes Risiko. Musikalische Wagnisse bringen
zunächst einmal Spannung rein und das ist gut. Ich persönlich muss
nicht jedes Album oder jeden Song von anderen Acts mögen, aber sie
sollten irgendwie spannend bleiben. Es ist doch faszinierend zu
beobachten wie sich Menschen und Künstler*innen weiterentwickeln, was
aus ihnen herauskommt, wenn sie sich dem ihnen noch Unbekannten
zuwenden. Ich glaube das Schlimmste wäre für mich wenn ich meine Musik
hören würde und denke: hmm, naja klingt eigentlich wie die letzte
Platte oder wie der Song vom Album soundso.
Welche Musiker/innen waren für dich am fruchtbarsten für das Projekt
„Tangram“?
Jede Zusammenarbeit auf dem Album hat „Tangram“ wachsen lassen. Die
Musiker*innen bringen alle ihre eigene Persönlichkeit und ihren Stil
ein. Wenn du ewig allein an diesen Songs und an den Klängen arbeitest
(was ich an sich ja gern tue), dann explodiert auf einmal die Magie
sobald jemand anderes einen neuen Teil einbringt.
Persönlich fand ich es schön sowohl mit denjenigen zu arbeiten, die
mich schon lange begleiten (wie Alexandra Praet, Flavio De Giusti oder
Valgeir Daði Einarsson) aber auch neue Musiker*innen dabei zu haben.
Leonard Eisenach zum Beispiel, ein fantastischer Bassist den ich noch
aus meiner Schulzeit kenne. Oder Bruce Soord, der ein phänomenales Solo
abgeliefert hat. Und natürlich hat Omri Abramov mit seinem wundervollen
Saxophonspiel einen riesigen Einfluss auf den Sound des Albums.
„Tangram“ als CD, DCD plus 2-mal Bonus & Download sowie Vinyl, für
dich ein schlüssiges Konzept?
Ja, denn jedes Format ist für unterschiedliche Vorlieben und auch
Geldbeutel ausgelegt. Wem es nur um die Musik geht, kann das Album
streamen. Wem das Album als echter Tonträger mit Booklet und tollem
Artwork am Herzen liegt, nimmt die CD Version. Und wer noch audiophiler
unterwegs ist, ist mit der Blu-ray oder Vinyl Version voll bedient und
bekommt on top die Bonustracks.
Siehst du smalltape nach vier großartigen Werken immer noch als
Solo-Projekt?
Ja, denn trotz der inspirierenden Zusammenarbeit mit all den Künstler*innen,
steckt hinter smalltape immer meine Person. Ich bin nach wie vor für
alles verantwortlich und spiel ja auch den größten Teil des Albums
selbst ein.
Bist du mit deiner derzeitigen Position im Musikzirkus zufrieden und ist
sie passend?
Ich denke es wäre gelogen, wenn ich mir nicht mehr Aufmerksamkeit für
das Projekt erhoffen würde.
Wohin geht die Entwicklung der Musik (Komposition, Markt, Produkte) im
Bereich in dem du dich bewegst?
Allgemein empfinde ich die Entwicklung von Musik beziehungsweise die Art
wie Musik konsumiert und wahrgenommen wird, als katastrophal. Das hat für
mich nichts mit Geschmack zu tun, sondern damit, welche Bedeutung Kunst
und auch Künstler*innen grundsätzlich heutzutage haben oder eben halt
nicht. Doch zu jeder Entwicklung gibt es auch eine Gegenbewegung und das
sind diese kleinen bis großen musikalischen Inseln, die zeigen, dass es
nach wie vor ein Publikum gibt, denen tiefgründige Musik etwas bedeutet
und die dahinter Menschen sehen und unterstützen wollen.
Sind neue Sachen mit Mt. Amber und/oder sogar neue Projekte geplant?
Mt. Amber wurde im Zuge der Corona Krise auf Eis gelegt. Ich
konzentriere mich vor allem auf smalltape und für die nähere Zukunft
steht momentan eine völlig andere musikalische Zusammenarbeit im Raum.
Dein Gespräch mit Marek Arnold war sehr aufschlussreich, was hältst du
von dem Format Podcast?
Ist ein super Format, sehr effektiv, kann man auch beim Abwaschen hören
und gleichzeitig was lernen.
Was ist deine aktuelle Botschaft an Magazine, Veranstalter, Konsumenten?
Risiken einzugehen lohnt sich und ist der einzige Weg nach vorne.