Rockfestival Paderborn 2026 - Vorbericht

Ein Verein leistet Widerstand gegen Kulturzerfall

Schon seit Jahren beobachten wir sehr genau, was sich da in Ostwestfalen am Hellweg im Bereich anspruchsvolle Rockmusik so entwickelt. Denn wir haben zwar einige renommierte Clubs im Ostteil des Ruhrgebiets beginnend mit Gelsenkirchen und weiter bis nach Paderborn und von Münster bis Hagen. Aber nur wenige Veranstaltungen im Segment Rock-Festival besitzen die große überregionale Strahlkraft. Und der Kulturverfall sorgt dafür, dass es immer weniger Konzerte und Festivals in unserer Heimat gibt.

Die große Zeit der Mega-Rock-Festivals in den Dortmunder Westfalenhallen sind lange vorbei. Wir haben dort in den 70er bis 90er Hunderte von den großen Namen, Rock-Helden aus allen Teilen der Welt, hautnah erlebt. Auch waren wir bei vielen legendären Auftritten unter dem Dach von „Rockpalast“ und „Rock-Pop In Concert“ mit dabei. Aber das alles ist lange her. Heute sind die großen Hallen für solche Bands regelmäßig die Zeche Bochum, FZW in Dortmund oder die vielen Stadthallen beispielsweise von Hagen, Münster oder Bielefeld sowie die größte Kulturhöhle Europas in Balve.

Nun tritt seit ein paar Jahren ein neuer, großartiger Spielplatz für Rock-Musik immer deutlicher in Erscheinung. Die Namen der Formationen, die bei den Veranstaltungen von Prorock e.V. Kreis Paderborn bisher aufgetaucht sind, haben durchweg Strahlkraft. Und Vereinsfrontmann Hans-Werner Schubert hat für den Samstag, 21. März 2026 wieder drei Rock-Leckerbissen für eine Premium-Veranstaltung zusammengetrommelt. Damit werden noch drei weitere große Namen auf deren Namensliste hinzugefügt.

Rosalie Cunningham

Zum Gelingen eines launigen, mehrstündigen Musikabends ist es immer gut wenn zu Beginn eine Band auftritt, die den Kreislauf anregt und den Blutdruck nach oben bringt. Das wird mit der 5-köpfigen Truppe um das Multitalent Rosalie Cunningham aus England absolut sicher der Fall sein, das können wir euch schon heute prophezeien. Rosalie haben wir jedes Jahr mindestens einmal auf Festivals bewundern dürfen.

    
Rosalie Cunningham live Finkenbach Festival, August 2025

Die Sturmreihe bestehend aus „Speedy“ Claudia González Diaz (Bass, Querflöte, Gesang), Rosalie (Gesang, Gitarren) und Rosco Wilson (Gitarre, Gesang) sowie das Abwehr-Duo dahinter mit Aaron Bolli-Thompson (Tastengeräte) und Bo Walsh (Schlagzeug), spielen puren, modernen und hochenergetischen Rock’n’Roll. Eine stabile eingespielte Mannschaft, das sorgt für gute Atmosphäre vor, während, nach den Auftritten und das spürt man auch wenn man sie außerhalb der Bühne trifft. Deren Entwicklung im Studio und Live ist atemberaubend und alle Besucher in der hoffentlich ausverkauften Paderhalle werden Kopf stehen und die gemeinsame Rock-Party genießen. Vielleicht brauchen dann einige Blutdrucksenker. Sie haben das aktuelle Album „To Shoot Another Day“ im Gepäck, von dem sie sicher viele Titel spielen werden. Seid gespannt und gut vorbereitet auf die beiden Ladies und ihre drei Männer mit ihrem druckvollen Rock Marke Britannien.

The Hamburg Blues Band

Was auf die junge Truppe aus England zutrifft, passt haargenau auch auf die The Hamburg Blues Band. Auch hier ist der Star die gesamte Band. Mit dem Tod von Schlagzeuger Hans Wallbaum und Weggang von Basser Michael Becker war eine Neustrukturierung der Rhythmusabteilung notwendig. Es kamen die Urgesteine Eddie Filipp (Schlagzeug) und Reggie Worthy (Bass) hinzu und zusammen mit den beiden Saitenzauberern Gert Lange, besonders aber Gitarren-Entertainer Krissy Matthews, hat sich eine stabile und bärenstarke Formation gefunden. Die bespielt Nonstop die Bühnen Europas, holt aber immer wieder viele illustre Gäste zu ihren Konzerten hinzu.

    
The Hamburg Blues Band live Woodstock Forever Festival, Waffenrod, August 2025

Diesmal wird die stimmgewaltige Rock-Legende Inga Rumpf (City Preachers, Frumpy, Atlantis, Hamburg Allstars, Rockship) das Männer-Quintett verstärken. Waren sie früher die Hausband vom Herzberg Festival, sind sie es nun beim Woodstock Forever in Waffenrod (Thüringer Wald). Aber Rock-Pirat Gert Lange ist immer für Überraschungen gut und lädt auch schon mal zusätzliche Kumpels, beispielsweise Tasten-Virtuose und Langzeit-Weggefährte Frank Tischer (Miller Anderson Band, Sound On Purpose), zum gemeinsamen Musizieren ein. Möglich ist an diesem Abend alles, denn man spielt ja im Herzen Westfalens.

Für uns Westfalen wird der Name Grobschnitt ehrfürchtig und mit großem Respekt ausgesprochen. Die Namen Bär, Eroc, Lupo, Mist, Popo, Toni Moff Mollo, Willi Wildschwein sind bis heute Kult in unserer Region. Aber auch die späteren Mitglieder Rolf Möller, Nuki, Deva Tattva, Manu & Milla Kapolke (Green Plays Symphonic Floyd) haben zur enormen Strahlkraft der Hagener Band beigetragen.

Ich kann mich noch an meine erste Begegnung mit den Hagenern Anfang der 70er erinnern, nicht aber in welchem Freizeit-Zentrum, sprich Jugendheim, es damals war. Und immer wieder kreuzte diese Formation von jungen Wilden meinen Weg, die Hallen wurden immer größer, die Bühnen-Präsentation immer spektakulärer. Drei Stationen möchte ich dennoch hier besonders herausstellen, Rockpalast 1978 (siehe Bilder), Herzberg Festival 2008, Symphonic Floyd 2022 (siehe Bilder). Und mit Rockpommel’s Band wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Zu den oben genannten, sind an der Gitarre Kevin Hollmann, der hat viele Jahre bei der Grobschnitt Tribute-Band Nebelreise geglänzt, sowie Sänger Armin Krull, eine weitere prägende Figur der Hagener Musikszene (unter anderem bei The Heroes), mit dabei. Grobschnitt wurden sehr berechtigt überhäuft mit Preisen und Auszeichnungen, jedes deutsche Musikmagazin hat x-mal über diese Kult-Band berichtet, außerdem werden sie in der Buchserie ROCK von eclipsed in Teil 3 umfassend vorgestellt.

Nun wird mit dem Star-Ensemble um Milla Kapolke ein weiteres Kapitel mit purem, rockigem Leben gefüllt. Wer bei einem der Symphonic-Floyd-Konzerte dabei war, der erinnert sich, welche Qualität da auf die Bretter gebracht wurde. Anschnallen, Lauscher aufstellen, Brille putzen & fest hinter die Ohren klemmen und auf geht es auf die Reise in das Rockpommel’s Land.

Roland Koch, Januar 2026

   

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