Törzs - Menedék
Pelagic Records (2025)

(5 Stücke, 40:25 Minuten Spielzeit)

Törzs ist die führende Instrumental-Post-Rock-Band aus Ungarn. Am 16.05.2025 haben sie nach sechs Jahren ein neues, viertes Album veröffentlicht, das den Titel „Menedék“ trägt. Menedék“ bedeutet frei übersetzt „Zuflucht“ und zeigt das frisch gestärkte Trio in seinem Element; es findet Schutz, Trost und Freude im Akt der kreativen Zusammenarbeit, während der Sturm des täglichen Lebens immer weiter wütet.


Eingespielt wurde das Album von dem Powertrio Soma Balázs (Gitarre), Dániel Nyitray (Bass) und Zsombor Lehoczky (Schlagzeug). Aktuell hat sich das LineUp aber an der Schlagzeugposition geändert, die nun von Tamás Szijártó eingenommen wird, da sich Zsombor Lehoczky von der Band und der Musik als Ganzes zurückgezogen hat.

Die Themen des Albums - Schutz, Zuflucht und Unterstützung - kommen in der Leadsingle „Otthon“ deutlich zum Ausdruck. „Otthon“ bedeutet auf Ungarisch „Zu Hause“ und dient de facto als Einstieg in das Album. Der beschwingte Groove des Songs, die schwebende und doch sanfte Gitarrenpalette und die für die Band charakteristische zarte Dynamik laden den Hörer zum Nachdenken ein; sie lenken nicht in die eine oder andere Richtung, sondern laden uns ein, die Augen zu schließen und uns dem Fluss anzuschließen. Allerdings ist anzumerken, dass „Otthon“ nicht das Album beginnt, sondern es beschließt. Das siebenminütige Stück zeigt sich atmosphärisch mit herrlichen Gitarrenklängen auf die zunächst ein Echo gesetzt ist. Sanft umschmeicheln einen diese angenehmen und sanften Postrocksounds. Man schwebt in der ersten Hälfte förmlich in einer Wolke wohliger Klänge. Das tut der Seele richtig gut. Ab der Hälfte schraubt die Band dann an der Dynamik und der Sound bekommt mehr Volumen und Druck. Danach geht es aber wieder in der wohligen Stimmung zu Ende.

Mit dem 12:45minütigen „Egy pillanatban a végtelen“ startet die Band in das Album. Hier sind zunächst atmosphärische Gitarren im Vordergrund. Dann setzt ein akzentuiertes Schlagzeug mit ein. Nach zweieinhalb Minuten steigert die Band die Dynamik und es kommt ein etwas druckvollerer Postrock auf, der aber immer noch recht getragen wirkt. In diesem Longtrack spielt die Band dann auch mit der Dynamik und dem Wechsel zwischen leisen und lauten Passagen. Die Harmonien und Melodiebögen bohren sich aber in die Gehörgänge ein und ziehen die Hörer in einen hypnotischen Mahlstrom.

„Levegővétel“, das mit sieben Minuten Spielzeit zu Buche schlägt, beginnt auch recht atmosphärisch, bekommt aber nach wenigen Momenten einen stampfenden Beat. Wie bei den anderen Stücken wechseln die Musiker immer wieder zwischen sehr ruhigen, atmosphärischen und dann wieder druckvollen Passagen. Das hält den Spannungsbogen hoch und lässt zu keiner Zeit Langeweile aufkommen. Auch die beiden weiteren Stücke „Átfordul“ und „Földet ér“ bieten das gleiche Feeling.

Die ungarische Postrock-Band Törzs bietet auf ihrem neuen Album „Menedék“ eine Mischung aus atmosphärischen und kraftvollen Postrockklängen. Dabei gehen sie sehr stimmungsvoll zur Sache und umgarnen die Hörer mit hypnotischen Klangskulpturen. Das ist hochgradig spannend.

Stephan Schelle, Januar 2026

   

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