Syrinx Call - Mirrorneuron 2
Flat Earth Music Tonezone (2026)

(12 Stücke, 60:13  Minuten Spielzeit)

Mit „Mirrorneuron 2“ veröffentlicht das Musikprojekt Syrinx Call um den Düsseldorfer Volker Kuinke (Sopranino-, Sopran-, Alt-, Tenor-, Bass- und Großbassflöte, Gesang), seiner Frau Doris Packbiers (Gesang), Isgaard (Gesang) sowie Jens Lueck (Keyboards, Piano, Percussion, Schlagzeug, Gesang) am 27.03.2026 die Fortsetzung des 2020’er Albums „Mirrorneuron“. Das Quartett stellt die Stammbesetzung dar, die sich bei ihren Produktionen weitere Musiker zur Seite stellt.


Mir lag zur Besprechung die CD vor, die in einem vierseitigen Papersleeve erscheint und ein 20seitiges Booklet mit der Story und den Texten (alles in englischer Sprache) enthält.

Volker Kuinke war Mitglied bei der deutschen Band Eloy. Für das neue Album konnte er die Gitarristen Frank Bornemann (Mastermind von Eloy) und Hannes Arkona, der ebenfalls bei Eloy gespielt hat, gewinnen. Darüber hinaus wirkten noch Bassist Rainer Schneider (Huxley Would Approve), Jürgen Osuchowski (Akustikgitarren), Georg Kresimon (Bass) sowie Katja Flintsch und Annika Stolze an den Streichinstrumenten, die abermals mit hohem Aufwand im Overdub-Verfahren einen vollen Streichorchestersound simulieren, mit.

„Volker hat mir dieses Mal ein paar extrem unkonventionelle Ideen und Fragmente präsentiert, die am Ende zu außergewöhnlichen Songs geführt haben“, sagt Jens Lueck.

„Mirrorneuron“ erzählt die Geschichte eines humanoiden KI-Roboters namens Kai, der einen Crash erleidet, weil sein Auftrag der fossilen Industrie - die Ausbeutung der Arktis – nach seinen Berechnungen keinen Sinn ergibt. Auch nach erfolgter Therapie durch die Psychotherapeutin Mara Lane ändert sich seine Haltung nicht. Da Kai sich jedoch so verhält, als wenn er so etwas wie Empathie „empfinden“ kann, wird er (in Teil 2) interessant und zugleich gefährlich für die CEOs der fossilen Industrie. Sie wollen ihn unschädlich machen, weshalb um ihn herum mit Mara als Leiterin ein Forschungsprojekt entsteht. Kai und Mara kommen sich auf bemerkenswerte Weise näher, er fordert sie aufs Äußerste heraus, und beide machen dabei unerwartete Erfahrungen.

Die einzelnen Stücke gehen alle - durch Geräusche und Sounds - nahtlos ineinander über, was den Konzeptcharakter noch verstärkt. Es startet mit dem Stück „Returning“, das mit Windgeräuschen beginnt die sich schnell mit einer sehr schönen Gitarrenharmonie verknüpfen. Das wechselt aber danach in einen rockigen Part. Druckvolles Schlagwerk, Gitarre, Keyboards, Bass und Flöte bestimmen das Bild. Und die Flöte wird dann auch über weite Strecken das bestimmende Melodieinstrument. Ein sehr schöner proggiger Song, bei dem man sofort im Klankosmos von Syrinx Call gefangen ist.

Sanfte Gitarrenklänge eröffnen dann das nächste Stück, „Boundless Choices“. Isgaard ist nun auch erstmals mit ihrem engelsgleichen Gesang zu hören. Dadurch entwickelt sich eine zarte, fast schon zerbrechliche Stimmung. Neben Isgaard ist auch die Sängerin Doris Packbiers zu hören. Musikalisch wandelt das Stück zwischen 70'er Jahre Prog und modernem Artrock.

„Organic Embodiment“ bietet dann viele proggige Passagen, die an die 70'er Jahre andocken. Das Stück besitzt eine sehr schöne Melodielinie und herrliche Gitarren- und Flöten-Soli.

Das Stück „Are You My Image“ beginnt zunächst sanft mit Gitarre und Isgaards Gesang, wandelt sich im Verlauf aber in einen kraftvollen Song (vor allem das Schlagwerk kommt zwischendurch mit Druck rüber) mit eingängigem Refrain. Die Musiker spielen hier geschickt mit der Dynamik, was den Spannungsbogen hoch hält. „Emptiness“ wirkt durch die Streichinstrumente, Keyboards und die Flöte recht symphonisch. Das hat was sehnsuchtsvolles.

Das sind einige Beispiele für dieses tolle Album, das neben komplexen Parts vor allem durch seine eingängigen Melodien und Soli besticht.

„Mirrorneuron 2“ des Musikprojektes Syrinx Call schließt direkt an das Album „Mirrorneuron“ an und bietet wieder eindrucksvollen Prog/Artrock. Die Stücke sind von herrlichen Melodien und tollen Soli durchzogen und vermitteln eine sehr schöne Stimmung. Auch die Produktion mit ihrem glasklaren Sound ist hervorzuheben, da hat Jens Lueck wieder ganze Arbeit geleistet. Sehr empfehlenswert.

Stephan Schelle, März 2026

   

CD-Kritiken-Menue