Raccomandata con Ricevuta di Ritorno – In Fuga
AMS Records (2025)

(6 Stücke, 35:34 Minuten Spielzeit)

Raccomandata con Ricevuta di Ritorno ist eine italienische Formation, die bereites 1972 ihr Debütalbum veröffentlichte. Am 09.05.2025 ist ihr neues Album mit dem Titel „In Fuga“ veröffentlicht worden. Hier zunächst einige Infos aus dem Pressetext: 


Seit 2010, als „Il Pittore Volante“ erschien, erfreut Luciano Regoli unter dem Namen Raccomandata con Ricevuta di Ritorno die anspruchsvolle Schar der italienischen und internationalen Progressive-Rock-Fans mit exzellenten Veröffentlichungen, deren einzige LP aus den 1970er Jahren („Per... un mondo di cristallo“, 1972) zu den schönsten und faszinierendsten der gesamten italienischen Prog-Szene zählt. Nach „Live in Elba“ (2015) und „In Rock“ (2019) folgt nun endlich „In Fuga“ und beweist, dass die kreative Ader von Luciano Regoli in den letzten Jahren nicht erloschen ist, denn auch das Coverbild stammt traditionsgemäß aus seiner Feder.

Die Hauptakteure dieses Comebacks sind in erster Linie seine lebenslangen Freunde Walter Martino (Schlagzeuger bei Goblin, Libra und vielen anderen) und Nanni Civitenga (Bassist bei Raccomandata seit den Anfängen), sowie verschiedene andere Musiker, die dazu beitragen, das Klangspektrum des Projekts zu erweitern. Die Songs auf „In Fuga“ erinnern oft an die eher proggigen und epischen Seiten von Uriah Heep und Deep Purple, geschmückt mit Blasinstrumenten (Flöte und Saxophon) und unauslöschlich geprägt von Luciano Regolis immer noch ausdrucksstarker, unglaublicher Stimme.

Gestartet wird dem gut fünfminütigen „Incubo“, bei dem die ersten Klänge schon mal in Richtung Deep Purple & Co. gehen. Da der Gesang von Luciano Regoli in der italienischen Heimatsprache dargeboten wird, zeigt dies schon den ersten Unterschied zu den britischen Vorbildern. Man muss sich erst einmal daran gewöhnen, das dauert aber nicht lange da Regoli sehr druckvoll agiert und auch die Melodie und der Rhythmus von „Incubo“ sehr eingängig ist. Im letzten Drittel kommt dann auch noch ein sehr schönes Keyboardsolo auf. Das hat was vom 70’er Jahre Rock, der aber in das heutige Zeitalter transformiert wurde und alles andere als altbacken wirkt.

Glockenklänge wie von Big Ben eröffnen dann das siebenminütige „Mary Reilly“. Hier geht es jetzt etwas ruhiger als im Eröffnungsstück zu. Gerade der Anfang besitzt ein gewisses Progfeeling. Dann wechselt das Ganze nach anderthalb Minuten in einen sanften Rocksong, der schon fast intim wirkt. Es werden aber auch Breaks eingebaut, die einen Kontrapunkt zu der überwiegend sanften Stimmung darstellen. Ein Geigensolo setzt dann noch mal einen weiteren Akzent im letzten Drittel. Und auch das Saxophon kommt im letzten Viertel noch zum Einsatz.

Sehr atmosphärisch startet die Band dann in das siebenminütige „Sognando“, bei dem Regoli mit einem typischen italienischen Gesang einsetzt der ein wenig Folklore-Stimmung verbreitet. Man hat das Gefühl ein Stück zu hören, bei dem ein Paar einen intensiven Tanz hinlegt. Zwischendurch erhöht die Band dann aber den Druck und wechselt in einen rockigen Part. Sie spielt hier geschickt mit unterschiedlichen Stilmitteln und Dynamiken.

Chorgesänge und treibende Perkussion leiten in das mehr als fünfminütige „Nubiano“ ein. Das Stück ist recht perkussiv angelegt. Auf Trommelkaskaden legt Regoli einen Gesang, der mit Echoeffekten für mehr Volumen sorgt. Dann legt die Band nach gut einer Minute mit einem kraftvollen Rocksound los, der eine Mischung aus Hardrock und Prog darstellt. Sehr schön ist hier der treibende Bass, der von Perkussion vorangetrieben wird. Auch kommen einige Sounds auf, die nach Bläsern klingen. In der Mitte wechselt die Band dann in einen zunächst ruhigen und sanfteren Part, bei dem auch wieder Geigenklänge aufkommen.

Das neunminütige „Ancora l’ombra“ startet mit herrlichen Orgelklängen, so wie man es von den 70’er Jahre Bands her kennt. Darauf setzt Regoli seinen nachdenklichen Gesang. Ein Bassmotiv sowie eine Flöte begleiten diesen Part. Vor allem die Flöte bringt eine zarte Note ein. Sobald sich dann Schlagzeug und Gitarre mit einbringen wird es rockiger ohne diesen sanften Charakter abzustreifen. Die Band wechselt in dem Longtrack Melodien, Strukturen und Rhythmen.

Das nur anderthalbminütige „Sandrina“ beendet dann das Album. Hier wird Regoli nur von einer Akustikgitarre begleitet. Er singt nicht nur, sondern pfeift auch eine Melodie. Das sanfte Lied wirkt als sei es in einem Heimstudio allein aufgenommen worden.

Auch wenn das neue Album von der italienischen Band Raccomandata con Ricevuta di Ritorno nur gerade mal 35 Minuten lang ist, so bietet es doch gute Rockmusik die in den 70’er Jahren verortet ist. Wenn man sich an die italienische Sprache gewöhnt hat, dann verbreitet die Musik einen ganz besonderen Reiz. Darüber hinaus bieten die Stücke schöne Soli.

Stephan Schelle, Januar 2026

   

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