Nautilus – A Castle Full Of Secrets
Sireena-Records / Broken Silence (2026)
(11 Stück, 68:58 Minuten Spielzeit)

Die deutsche Band Nautilus, benannt nach dem berühmten U-Boot von Kapitän Nemo aus den Romanen des französischen Schriftstellers Jules Verne veröffentlicht am 10.04.2026 ihr mittlerweile zehntes Album. Was 1998 als Elektronik-Duo begann, mauserte sich im Verlauf der Jahre zu einer Rockband mit Einflüssen aus dem Progressive Rock-Bereich. „A Castle Full Of Secrets“ heißt das neue Werk und orientiert sich thematisch – wie schon die vorangegangenen Alben – an einer Geschichte von Jules Verne.


Die CD erscheint in einem sechsseitigen Digipak. Was als erstes auffällt ist der sehr schöne Cover, das eine Burg in den Karpaten darstellt, in dessen vorgelagertem See die Nautilus mit einer verhüllten Gestalt auftaucht. Das passt zu dem Roman „Das Karpatenschloss“ von Jules Verne, das dem Album als Grundlage diente. Gleichzeitig assoziiert es auch eine Stimmung die an „Dracula“ von Bram Stoker erinnert, dem bekannten Roman, der nur wenige Jahre nach „Das Karpatenschloss“ erschien. Das wird auch noch durch die Grafik auf der Coverrückseite verstärkt, bei der zahlreiche Fledermäuse um das Schloss kreisen.

Nautilus präsentieren auf dem Album vorwiegend instrumentale Stücke, was dem Gesamtsound aus meiner Sicht sehr gut tut. Eingespielt wurde es von Jürgen Dürrbeck (Synthesizer, Sequencer), Martin Ludwig (Keyboards, Synthesizer, Gitarren, Samples), Werner Strätz (E-Gitarren) und Meiko Weigel (Gesang, Stimme-Samples, Bass). Darüber hinaus spricht den Text im Eröffnungsstück „Twilight In Wonderland“ Elmar Darimont. Für den guten Klang hat - wie schon bei allen anderen Alben - Eroc gesorgt, der den Stücken ein besonders transparentes Soundgewand verpasste.

Das Album startet mit dem siebeneinhalbminütigen „Twilight In Wonderland“. In diesem Stück spricht Elmar Darimont den Text (auf englisch): „Diese Geschichte ist nicht fantastisch, sie ist nur romantisch. Wir leben in einer Zeit, in der alles möglich ist. “ (Jules Verne 1892). Und das zeigt in welche Richtung es in der Geschichte geht, nicht um Vampire, sondern um ein Schloss, eine Liebe, vorgetäuschte Geistererscheinungen und um für die damalige Zeit technisch noch nicht relevante Dinge.

Das Stück startet mit einer sanften, romantischen Akustikgitarrenmelodie zu der sich eine E-Gitarre nach wenigen Momenten gesellt und so den typischen Nautilus-Sound hervorhebt. Hier kommen dann auch melodische Twinguitars auf. Sobald Bass, Keyboard (auch mit leichtem Folkeinschlag) und Schlagzeug hinzukommen, bekommt das Stück noch mehr Volumen und Charakter. Mit hallender Stimme wird dann der Text gesprochen. Ein wunderschönes, verträumtes Stück und der perfekte Opener für dieses neue Album.

Etwas mehr als vier Minuten ist dann das Stück „Visions Of Stilla“ lang, das mit Wellenrauschen beginnt und dann in einen Synthesizerpart wechselt, der aber nach wenigen Momenten schon einen rockigen Anstrich bekommt. Hier wandeln Nautilus zwischen Artrock und elektronischer Musik. Vor allem die E-Gitarre mit ihrem druckvollen Klang haut hier mächtig rein und hat schon fast heavy Züge.

Im fünfeinhalbminütigen „Smoke Above The Castle“, das sehr getragen und sphärisch mit einem leicht floydigen Touch daherkommt, ist dann auch ein kurzer Gesangstext enthalten. Meiko Weigel interpretiert den Text anfangs leicht Gothicartig und klingt dabei auch ein wenig wie Tom Redecker. Der Großteil des Stückes ist allerdings instrumental und bietet herrlich atmosphärische Harmonien und Melodien. Der typische Nautilus-Gitarrensound kommt dann im letzten Viertel des Stückes auf.

Recht elektronisch startet die Band dann in das sechsminütige „Soulmate Spirits“. Rhythmische Synthies, die von flächigen Sounds begleitet werden, sind da zunächst auszumachen. Dann kommen einige elektronische Glockenschläge und Wolfsgeheul hinzu, was die Stimmung zu einem Spukschloss verstärkt. Nach etwas mehr als einer Minute starten die Jungs dann aber den Sequenzer, der den Track nun in Richtung rhythmisch/melodischer Elektronikmusik schickt. Nach gut einer weiteren Minute kommt dann noch ein Schlagzeugrhythmus hinzu. Das ist klasse gemacht.

Donnerschläge eröffnen dann das nächste Stück, das fast fünfminütige „Vampire Cathedral“. Hier sind es vor allem die Synthesizerchöre und der paukenartige Rhythmus, die für eine spannende Umsetzung des Themas sorgen. Dazu kommen dann noch Synthesizerklänge und Harmonien, die ein wenig an Vangelis erinnern. Das würzen Nautilus aber mit sehr ansprechenden Gitarreneinwürfen. Die Band wechselt hier zwischen lauten und leisen, druckvollen und sanften Passagen.

Mit einer verträumten Pianomelodie geht es dann im viereinhalbminütigen „Sleeping Beauty“ weiter. Eine sehnsuchtsvolle Gitarrenmelodie ergänzt die Pianoklänge, die auf einem flächigen Bett liegen.

Das vierminütige „Time For A Change“ zeigt sich dann von seiner rockig/popigen Seite. Ein klasse, eingängiger Groove unterfüttert das Stück, das von Rhythmusgitarre, Bass und Schlagwerk vorangetrieben und von einer Keyboardmelodie getragen wird. Und am Ende heult der Wolf den Mond an.

Fast schon einen leichten Reggae-Rhythmus besitzt das achteinhalbminütige „When The Pictures Learned To Move“. Allerdings ist der Rhythmus sehr filigran angelegt und wird mit einigen Perkussioneinschüben noch ergänzt. Dann bekommt das ganze eine Art Dubfeeling mit einer Keyboardmelodie. Nach einigen Minuten wird es rhythmisch/druckvoller und die E-Gitarre übernimmt nun das Melodiezepter. Ein eingängiges, fesselndes Stück. Das Struktur-, Rhythmus- und Melodiewechsel beinhaltet. Einfach traumhaft.

Das fünfminütige „The Count And The Lady“ ist ein sanftes Instrumental bei dem eine unter die Haut gehende Gitarrenmelodie auf einem melodischen Synthesizerboden schwebt. Im Verlauf nimmt dann die Dynamik zu und der Sound füllt den Raum. Das hat wieder den unverkennbaren Charakter von Nautilus.

Mit dem neunminütigen „Misty Morning Lights“ geht es dann erneut recht elektronisch weiter. Leicht dröhnende Synthesizerklänge, die zu Beginn aufkommen und von einer Synthesizermelodie verziert sind, wechseln sich mit orchestralen und teils perlenden Sounds ab. Nach mehr als fünf Minuten startet ein Sequenzer á la Tangerine Dream und eine weibliche Stimme spricht einen kurzen französischen Text. In diesem Stück stehen die elektronischen Klänge und Rhythmen klar im Vordergrund.

Das Ende wird dann mit dem fast zehnminütigen „In The Last Days Of Empathy“ eingeläutet, in dem die Band noch mal ihre charakteristischen Klänge raushaut. Eine tolle melodische Midtemponummer, bei der keine Wünsche offen bleiben.

Das zehnte Album der deutschen Band Nautilus, das den Titel „A Castle Full Of Secrets“ trägt und sich thematisch um den Jules Verne Roman „Das Karpatenschloss“ rankt, ist eine Mischung aus Rock und elektronischer Musik und strotzt nur so vor herrlichen Melodien. Für mich ist es das Beste Album, das sie bisher herausgebracht haben.

Stephan Schelle, April 2026

   

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