Marco Glühmann - A Fragile Present
Gentle Art Of Music (2024)

(12 Stücke, 56:20 Minuten Spielzeit)

Marco Glühmann ist den Progrockfreunden bestens bekannt, ist er doch die Stimme der deutschen Art-/Progrockinstitution Sylvan. Während der Kreativpause seiner Stammband, das letzte Album „One To Zero“ ist im Jahr 2021 herausgekommen, hat sich der Sänger seinem ersten Soloalbum „A Fragile Present“ gewidmet. Damit war er nicht allein, denn im letzten Jahr haben Sylvan-Keyboarder Volker Soehl und Sylvan-Gitarrist Johnny Beck unter dem Projektnamen Violent Jasper das Album „Control“ veröffentlicht. Und auch Mitbegründer von Sylvan, Gitarrist Kay Soehl, der 2007 aus der Band ausschied, hat gerade erst unter dem Projektnamen Vlyes ein Soloalbum veröffentlicht.


Auf dem Album „A Fragile Present“, das am 14.06.2024 erscheinen wird, wirkten neben Marco Glühmann (Gesang, Keyboards, Gitarren) Kalle Wallner (Gitarren, Bass), Johnny Beck (Gitarren), Yogi Lang (Keyboards), Markus Grützner (Bass) und Tommy Eberhardt (Schlagzeug) mit. Darüber hinaus konnte Marco noch Steve Rothery für die Gitarre beim Song „My Eyes Are Wide Open“ und Billy Sherwood für Chorgesang bei „Hear Our Voice“ gewinnen.

Wer Sylvan kennt, der weiß, dass der Bandsound auch stark von Marcos, manchmal recht melancholische wirkender Stimme bestimmt wird. Für sein Soloalbum hat er sich aber aus seiner Komfortzone entfernt und neue musikalische Wege beschritten. Zwar hört man an der ein oder anderen Stelle noch seinen Sylvan-Stil heraus, doch ist er stimmlich und auch musikalisch auf dem Großteil der Songs auf anderen Pfaden unterwegs. Das besitzt in diesen Momenten auch etwas von Yes-Feeling.

Quasi in einer Art Rausch hat Marco Glühmann die meisten Songs innerhalb nur weniger Monate komponiert, konnte sich dabei ganz frei und zwanglos durch Harmonien, Melodien und Text treiben lassen: Nur zwei Songs haben ihren Ursprung in alten Zeiten. „Reach Out“ und „Black The Shade Out“ stammen aus Songwriting-Sessions um das Jahr 2010, letzterer sogar noch inklusive des Original-Intros des damaligen Demos. „Diese beiden Songs sind quasi ein Fenster in meine musikalische Vergangenheit.“ erzählt Marco Glühmann, und weiter: „Bei allen anderen Songs habe ich mich von meinen Emotionen leiten lassen: die Gesangsmelodien sind zumeist spontane Ideen, die Textbasis ist auch zu großen Teilen direkt beim ersten Demo-Recording entstanden, somit ist alles sehr persönlich.“

„Never Say Goodbye“ klingt atmosphärisch mit einem einnehmenden Refrain, bei dem in der Liveversion die Fans frenetisch mitsingen werden. In diesem Song stimmen Rhythmus, Melodieführung und Instrumentierung perfekt. Und Markus Grützner unterlegt den Song mit einem treibenden Basssound. Ein perfekter Song, der unterschiedliche Stimmungen vermittelt.

„Reach Out“ ist eine sehr schöne Ballade, die in ihrem Refrain die volle Ladung Dynamik bekommt. In dem sehr melodischen Song, der sich schnell im Ohr festsetzt, ist Gänsehaut garantiert. Fette Riffs mit symphonischen Keyboards starten dann in den Song „Faceless“. Das kommt fett und druckvoll rüber. Im Refrain breiten sich dann weite Soundwelten aus.

Eine zarte Pianomelodie und Streichersounds eröffnen den Song „Look At Me“. Eine Nummer, die in den ersten gut zwei Minuten sanft unter die Haut geht, um dann an Dynamik zu gewinnen und in einen hinreißenden Refrain-Part zu wechseln.

In „For A While“ kommt dann gar Rockpopfeeling auf. Das ist ein Song, der einfach Spaß macht. „One Last Hope“ ist noch so ein Song, der sofort fesselt. Mit dem Song „My Eyes Are Wide Open“, das vorab schon im Internet veröffentlicht wurde, endet das Album. Ein sehr atmosphärischer Song, der besonders an Sylvan erinnert und von Steve Rotherys Gitarre verfeinert wird.

Der Sound des Albums kommt mit viel Dynamik und Volumen rüber und ist von Marco, Yogi Lang und Kalle Wallner hervorragend produziert. So muss Rockmusik klingen.

Wow, was hat Marco Glühmann, Sänger der deutschen Band Sylvan, da für ein Soloalbum rausgehauen. Unter Mitwirkung von seinem Gitarrensideman bei Sylvan und dem Großteil von RPWL ist ihm ein grandioses Werk gelungen. Zwar hört man immer wieder stilistisch seine Hauptband heraus, was bei der Stimme auch kein Wunder ist, jedoch hat er genügend eigene Stilistik in die Songs eingebracht. Sehr empfehlenswert.

Stephan Schelle, Juni 2024

   

CD-Kritiken-Menue