Kalamata - Zenosyne
Copper Feast Records/ Made of Stone Recordings (2026)
(5 Stücke, 41:17 Minuten Spielzeit)

Kalamata nennt sich ein psychedelisches Stoner-Rock-Trio aus Hildesheim. Das Trio kehrt nach Jahren des Wandels, der Umbrüche und unermüdlicher Tourneen zurück – und bricht gleichzeitig zu etwas völlig Neuem auf. Das Album ist das bisher persönlichste, atmosphärischste und gewagteste Werk der Band, die aus Peter Jaun (Gitarren), Niki Hosseinian (Bass) und Olly Opitz (Schlagzeug) besteht. „Zensodyne“ nennt sich das neueste, dritte Werk der Band und erscheint am 26.06.2026.


Mir lag eine CD-Version vor, die in einer Papphülle verpackt ist und nur wenige Infos bereit hält. Die fünf Instrumentaltitel - bestehen jeweils nur aus einem Wort - ergeben in ihrer Reihenfolge den Satz „There Is No Coming Back“.

Der Titel „Zenosyne“ – das Gefühl, dass die Zeit mit zunehmendem Alter immer schneller zu vergehen scheint – bildet den konzeptionellen Rahmen für ein Album, das sich weigert, eine einzige Bedeutung vorzugeben. Die fünf Titelnamen „There / Is / No / Coming / Back“ eröffnen einen Raum, in dem jeder Hörer seine eigene Geschichte finden kann: entschleunigen, Momente schätzen, Menschen wertschätzen, die uns zur Verfügung stehende Zeit nutzen oder sich der Unausweichlichkeit des Wandels stellen.

Das Album, das Ende 2025 mit dem renommierten Produzenten Ingo Bednarek in dessen Studio in Hannover aufgenommen wurde, steht für einen Wandel im musikalischen Ansatz. Während die ersten beiden Alben roh, direkt und live eingespielt waren, konzentrierte sich die Band dieses Mal intensiv auf Details, Klangtexturen und klangliche Experimente. Fuzz trifft auf zerbrechliche Melodien, schwere Riffs lösen sich in schimmernde Effekte auf, hypnotische Wiederholungen entfalten sich zu filmischer Weite. Das Mastering von Role Wiegner (Tonmeisterei, Oldenburg) verleiht dem Ganzen Tiefe, Wärme und ein Gefühl physischer Präsenz.

Das Artwork greift eine alte Legende aus Kalamatas Heimatstadt Hildesheim auf: die Geschichte der Hildesheimer Jungfrau, die, nachdem sie ihren Verlobten vom Blitz erschlagen vorfand, verloren durch den dunklen Wald irrt, bis eine ferne Abendglocke sie zurück ins Leben führt. Der Turm, von dem diese Glocke läutete, ist bis heute als Kehrwiederturm bekannt – der „Turm der Rückkehr“.

Die Spielzeiten der Stücke liegen alle um die Siebeneinhalb und fast zehn Minuten Länge. Gestartet wird mit „There“. Zunächst ist ein Ton zu hören, der sich wie eine Sirene steigert ist, dann setzt nach wenigen Momenten die Gitarre ein und schon ist man im Stoner-Rock angekommen. Dann folgen auch schnell Bass und Schlagzeug, die das Stück merklich nach vorn treiben. Das hat was tranceartiges, hypnotisches. Und doch ist es recht melodisch angelegt. Nur leichte Variationen und Veränderungen durchziehen den Track, der einen aber immer mehr in diese Klangwelt hineinzieht.

Akzentuiertes Schlagwerk und ein flirrender Bass starten dann in den Track „Is“. Auch die E-Gitarre steigt mit einem flirrenden Sound in diesen Reigen ein. Nach einigen Momenten wird dann noch eine Gitarrenharmonie mit hinzugefügt und nach nicht ganz anderthalb Minuten ist dann wieder treibender Stoner-Rock angesagt. Im Mittelteil wird es dann gar sphärisch und hypnotisch. Dazu dann noch Perkussion, die langsam wieder in den druckvollen Part des Anfangs überleiten.

Flirrende Gitarrenklänge (wie man es auch vom Spiel auf einer Balalaika kennt) und ein sanfter Bass sowie flächig/hallende Gitarrenklänge weisen in das Stück „No“. Das besitzt eine atmosphärische Ausstrahlung. Es dauert fast zwei Minuten bis das akzentuierte Schlagzeug dann in einen sanften Stoner-Rock-Part überführt. Ein hypnotisch, sanfter Track mit viel Gefühl.

„Coming“ legt dann mit einem schönen Bassmotiv und Schlagwerk los. Wenn die Gitarre einsetzt eröffnen sich weite Klangräume. Über weite Strecken ist dies ein gemächlicher und doch druckvoller Stoner-Rock-Track, der dann zum Ende hin in eine Wall Of Sounds mündet.

Den Abschluss bildet dann das Stück „Back“, das sich von einer recht melodischen Seite zeigt. Da kommen gar Twinguitar-Anklänge auf, wie man sie auch bei Wishbone Ash & Co., findet. Auch versprüht dieser Track, obwohl im Stoner-Rock zu verorten, auch Retro-Feeling. Und im zweiten Teil kommen gar schwere Gitarrensounds auf.

Kalamata aus Hildesheim haben mit „Zenosyne“ ein klasse Stoner-Rock-Album rausgehauen. Da geben sich hypnotische, druckvolle, atmosphärische, psychedelische und melodische Passagen die Hand.

Stephan Schelle, Juni 2026

   

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