Green Desert Tree – Fighting Dragon
MiG music (2026)

(6 Stücke, 45:00 Minuten Spielzeit)

Fighting Dragon ist das zweite Album der deutschen Band Green Desert Tree. Die Berliner Band um Mastermind Tim Sund, der unter anderem aktueller Keyboarder der Krautrock-Legende Agitation Free ist, hatte bereits mit dem Debütalbum Progressive Worlds für Aufsehen in der Progszene gesorgt. Am 24.04.2026 erscheint nun das zweite Werk. Neben Sund (Keyboards, Backgroundgesang) besteht die Band noch aus Simon Rainer (Gitarren), Sascha Giebel (Gesang, Gitarren, Keyboards), Francesco Beccaro (Bass) und Yatziv Caspi (Schlagzeug).


Die Fachpresse war von ihrem 2019'er Debüt begeistert und so war dann auch die Liveumsetzung fest eingeplant. Doch Corona machte der Band einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund dessen waren personelle Veränderungen in der Band die Folge. Vom Debütalbum gehört neben Tim Sund nur noch Simon Rainer zum aktuellen LineUp.

Geht es beim ersten Album Progressive Worlds um den Lebensweg des fiktiven Protagonisten Mat Plundrot, der sich im Laufe seines Lebens immer mehr zu einem über Leichen gehenden Soziopathen entwickelt, handelt es sich bei den Songs des neuen Albums um eine Sammlung von Geschichten, die vom Storyteller" erzählt werden. Dabei geht es zum Beispiel um eine Frau, die um ihren Bräutigam trauert, der am Vorabend der Hochzeit plötzlich spurlos verschwindet. Ein anderer Song handelt von einem computerspielsüchtigen Jugendlichen, der glaubt ein Ritter zu sein, der sein Königreich vor gefährlichen Drachen schützen muss.

Sechs Stücke enthält das neue Album von Green Desert Tree. Gemastert wurde es von Eroc, der schon so mancher Veröffentlichung zum perfekten Klang verholfen hat.

Das Album startet mit der sechsminütigen Overture. Das beginnt mit einem recht progigen Keyboardintro, zu dem sich nach wenigen Momenten Gitarre und Schlagzeug gesellen. Hier zeigt sich aber schon die melodiöse Seite der Band, denn der Opener geht mit seiner Melodieführung und den Soli wirklich gut ins Ohr und macht neugierig auf die restlichen Songs.

Der erste Song ist dann das sechseinhalbminütige The Storyteller. Vogelgezwitscher, Kirchenglocke und laufende Schritte auf Kies leiten in das Stück ein, das kurz darauf in einen leicht Kirmesartigen Part wechselt, der sich aber schnell in progressive, facettenreiche Gefilde wandelt. Das erzeugt einen hohen Spannungsbogen und erweckt bei den Hörern das Gefühl einer Geschichte zu folgen. Nach zweieinhalb Minuten geht es dann rockiger zur Sache mit Anleihen an 70'er-Jahre-Rock. Im Mittelteil sorgt Satzgesang für weitere Akzente um danach in einen noch rockigeren Part mit teils frickelnden Gitarren überzugehen. Das hält sich aber immer im Rahmen und verlässt nie die melodische Schiene. Ein sehr schönes, abwechslungsreiches Stück, das darüber hinaus auch einige hymnische Momente bietet.

Mit einer sanften Pianomelodie startet die Band dann in das achtminütige Stück Talk To Me. Sobald der Gesang einsetzt wird es eine Spur melancholisch. Sanft zieht das Stück seine Runden, während im Refrain zarte Saga-Gitarren-Klänge eingestreut werden. Das Stück bietet ein recht progig/symphonisches Ambiente.

Auf elfeinhalb Minuten bringt es dann das Stück Fighting Dragons, das zunächst mit klassisch anmutenden Klängen im Rockgewand aufwartet. Nach etwas mehr als einer Minute setzt dann Gesang ein, zu dem eine Spinettartige Melodie erklingt. Kurz darauf wird das mit flächigen Keyboardsounds unterlegt. Sobald dann aber Gitarre und Schlagzeug hinzukommen, geht es in rockige, wenn auch noch gemäßigte Gefilde. Nach drei Minuten setzten aber Orgel und Schlagzeug ein Ausrufezeichen, denn jetzt wird es etwas rockiger. Tim Sund holt aus seinen Tasteninstrumenten in diesem Instrumentalpart einige komplexe Klangstrukturen heraus und zeigt sein Können. Dann wird es für einige Minuten wieder ruhiger um im letzten Drittel mit funkigen Gitarrenlicks einen weiteren Aspekt zu setzen.

Nicht ganz so komplex geht es mit dem sechsminütigen High School Reunion weiter, dass wieder sehr progig mit herrlich atmosphärischen Gitarrensounds startet, die für Gänsehaut sorgen. Diese werden immer wieder in den sanften, verträumten Song eingebaut. Im Verlauf kommen immer mal wieder etwas druckvollere Parts auf. Aber gerade in den atmosphärischen Teilen kann man sich verlieren.

Das Album endet dann mit dem siebenminütigen The Broken Crown. Keyboardklänge, die an Streicher erinnern, leiten in dieses letzte Stück ein. Aber wenn die Band dann einsetzt entwickelt sich ein klasse Song mit progigen sowie auch popigen Elementen. Das geht wieder absolut ins Ohr.

Green Desert Tree legen mit Fighting Dragon einen würdigen Nachfolger ihres Debütalbums vor. Das Album strotz nur so vor Melodien, die teils durch Breaks auch komplexer aufgebaut sind. Bandkopf Tim Sund lässt seinen Bandkollegen dabei genug Spielraum sich mit klasse Instrumentalparts einzufügen.

Stephan Schelle, April 2026

   

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