Frequency Drift
- Last Die aus Bayreuth stammende Band Frequency Drift ist bekannt für ihren cineastischen Sound. Auch die Instrumentierung war für ihren Art-/Progressiverock recht außergewöhnlich. Von den im Rockgeschäft nicht gerade üblichen Instrumenten ist noch die E-Harfe, die von Nerissa Schwarz gespielt wird, übrig geblieben. Ansonsten bewegen sich die Musiker mit ihren Gerätschaften im typischen Progbereich. Seit der letzten Veröffentlichung „Over“ aus dem Jahr 2013 hat sich bei den Süddeutschen das Besetzungskarussell gedreht. |
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Am
12.02.2016 erscheint das sechste Album der Band unter dem Titel
„Last“. In ihren acht Stücken, deren Laufzeiten zwischen 5:08 und
8:31 Minuten liegen, versteht es das Sextett erneut mit ihren Klängen und
Melodien Bilder im Kopf des Hörers sowie Emotionen zu erzeugen. Der
Pressetext beschreibt es in sehr schönen Worten: „Diesmal haben sich die Songwriter und Produzenten Andreas Hack und
Nerissa Schwarz jedoch bewusst dafür entschieden, das Gesamtbild
lebendiger, wärmer und insgesamt herausfordernder zu gestalten. Nie zuvor
klang Frequency Drift grafischer, nie konnte der Hörer das Cineastische
deutlicher spüren, fühlen, sehen … ja, erleben. Sobald das Licht im
Saal erloschen ist, packt die Geschichte den Hörer.“ Fast
Floydartig beginnt die CD zu Beginn des Openers „Traces“ und besitzt
zugleich die Kraft, die die Musik von Bands wie Crippled Black Phoenix
ausstrahlt. Dann setzt nach wenigen Momenten Melanie’s zarte Stimme ein
und die Atmosphäre hat sich um 180 Grad gewendet. Jetzt zeigt sich der
Song von seiner melancholischen Seite. Im Refrain kommen die fetten
Hardrockriffs wieder auf. In den Mittelteil hat die Band dann einige sehr
schöne Keyboardpassagen eingebaut. Frequency Drift spielen hier sehr
ansprechend mit wechselnder Lautstärke und Dynamik. Kraftvoll
beginnt auch „Diary“. In dieses Stück haben sie einige Breaks
eingebaut. Und ganz unvermittelt kommt dann in der Mitte des Songs eine
sehr ambiente Phase auf, die aus einigen Keyboardtupfern besteht, die von
Mellotronsounds begleitet werden. Das wirkt, als würde man sich im Auge
des Wirbelsturms befinden. Und so wird man dann aus dieser Lethargie auch
wieder durch ein kraftvolles Gitarrensolo gerissen. „Shade“
beginnt wie eine mittelalterliche Weise, die von Akustikgitarre und Cello
artigen Keyboardsounds begleitet wird. Melanies Stimme kommt in diesem
Song Christina Booth (Magenta) sehr nahe. Darauf folgen Flötenähnliche
Mellotron-/Flötensounds und ein vom Keyboard bestimmter Instrumentalteil.
Schlagwerk und eine Art Xylophon werden ebenfalls beigefügt und münden
in einen ekstatischen, kakophonischen Teil, der dann wieder in einen
ruhigen Endpart übergeht. Und diesen Stilmix in Breitwandformat halten
Frequency Drift das komplette Album über durch. Mit
„Last“ haben Frequency Drift wieder ein außergewöhnliches Album
eingespielt, das sie in der oberen Etage der deutschen
Art-/Progressiverock-Bands etablieren sollte. Es ist nur zu hoffen, dass
der Titel des Albums nicht Programm ist und „Last“ der Schwanengesang
der Band bedeutet. Stephan Schelle, Januar 2016 |
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