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Diego
Petrini - La Materia del Suono Diego Petrini ist Schlagzeuger und Keyboarder und einer der Gründer und Hauptkomponisten von Il Bacio della Medusa. Er veröffentlichte sein instrumentales Konzeptalbum „La Materia del Suono“ am 20.06.2025. Es stellt zugleich sein Solodebüt dar und bewegt sich zwischen Progressive und Jazz-Rock. |
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Unzählig sind die „Verunreinigungen“, die in jedem Stück verstreut sind: klassisch, lyrisch, ethnisch, populär, folkloristisch, rockig, mit vielen Moog- und Mellotron-Einsätzen, die dem skandinavischen Prog huldigen, während Flöte und Saxophon - gespielt von Eva Morelli von Bacio della Medusa - immer wieder an den Jazz-Rock und Progressive der 70er Jahre erinnern. Das Album ist das Ergebnis einer akribischen klanglichen Erkundung, die er seit Jahrzehnten beherrscht, nämlich die der Musik, die sich nicht mehr auf die einfache Architektur von Noten und Rhythmen beschränkt, sondern ein Vorbote kraftvoller emotionaler Kontexte und fantasievoller Projektionen ist, die den Hörer auf eine unerwartete Reise führen. „La Materia del Suono“ gliedert sich in zwei Teile („L’Armonia Della Natura“ und „Sull’Artificio Dell’Uomo“) und ist vollständig instrumental, mit Ausnahme des Stücks „Ciò Che Trascende“, in dem der Gesang, des unverwechselbaren Alvaro Fella, der Stimme der legendären Band Jumbo, anvertraut wurde, den Zuhörer dazu einlädt, er selbst zu sein und sich in einer zunehmend materialistischen Welt ständig existenzielle und philosophische Fragen zu stellen. Diego Petrini schafft es, die wenigen Gastmusiker (Eva Morelli an den Blasinstrumenten, Giorgio Panico am Fretless-Bass, Andrea Morelli an der E-Gitarre, Claudio Ridolfi am Akkordeon) wie ein Orchester klingen zu lassen, und bestätigt sich selbst als einzigartiges und seltenes musikalisches Talent. Die beiden Teile umfassen jeweils sechs Stücke. „L’Armonia Della Natura“ beginnt mit dem ersten, achteinhalbminütigen Stück „Come In Mare Le Onde“. Mysteriöse, elektronische Sounds die wie ein surreales Windrauschen klingen, starten in diesen ersten Track. Dann setzen weitere Klänge ein, die diese mysteriöse Stimmung in der ersten Minute unterstützen. Dann aber kommt eine Pianomelodie auf. Sobald nach weiteren Momenten Percussion, Flöte und lautmalerischer Gesang einsetzen, hat das was von südamerikanischem Flair. Das ändert sich dann aber auch schnell wieder, denn es setzt wieder das Piano ein und leicht proggiges Flair entsteht. Petrini wechselt mehrfach in diesen Stimmungen und Sounds hin und her und ergänzt sie um weitere Elemente. Fast Sieben Minuten ist dann das Stück „Alla Deriva“ lang. Dieses beginnt mit einer leicht jazzigen Pianomelodie. Das Stück entwickelt sich zu einem fast schon symphonischen Track mit Soundtrackqualitäten. Durch weitere musikalische Einschübe baut Petrini einen hohen Spannungsbogen auf, in dem er zum Beispiel auch einige folkloristisch/mediterrane Klänge mit einbaut. Jazzig und orchestral kommt dann das zweieinhalbminütige „Macchia Verde“ rüber, das mich an Soundtracks der 60’er Jahre erinnert und in das sich im Verlauf dann weitere musikalische Elemente einfügen. Das macht diesen kurzen Track recht abwechslungsreich. Auf den anderen Stücken wandelt Petrini ebenfalls in einer Mischung aus Jazz, Rock und Prog in die er dann immer wieder Elemente aus Folk und Soundtrack verwebt. Das erste Stück des zweiten Teils „Sull’Artificio Dell’Uomo“ mit dem Titel „Fragole Di Cinabro“ ist ein sanftes Pianostück, das streckenweise von Keyboardflächen unterlegt ist. Das dreieinhalbminütige „Antropomorfa“ geht rhythmisch dann gleich mal mit einem stampfenden Groove in die Vollen. Man hat hier das Gefühl als würde sich Petrini an Schlagzeug und Piano mehrfach überholen. Dann aber kommen auch wieder sehr atmosphärische Parts auf, die erneut Soundtrackqualitäten besitzen. Richtig jazzig, wie in einer Barszene wird es dann in „Sublimazione“. In diesem Stück kommt dann auch das Akkordeon zum Einsatz. Mit dem Song „Ciò Che Trascende“ geht dann das Album zu Ende. Hier bestimmt vor allem Fellas eindrucksvolle Stimme, der in seiner Landessprache singt, diesen Song. Das hat was von einem rockigen italienischen Traditional. Im letzten Viertel wurde noch ein schönes Gitarrensolo eingebaut. Der Schlagzeuger und Keyboarder Diego Petrini bietet auf seinem Debütalbum „La Materia del Suono“ eine Mischung aus Prog, Rock und Jazz und verbindet dies mit weiteren Elementen. Stephan Schelle, Februar 2026 |
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