Bauer, Garn & Dyke - Sturmfrei
Sireena Records / Broken Silence (1978 / 2026)

(10 Stücke, 41:01 Minuten Spielzeit)

Bauer, Garn & Dyke war ein Trio, das sich 1978 in Hamburg gegründet hat. In ihrer kurzen Zeit von 1978 bis 1982 entstanden die beiden Alben „Sturmfrei“ und „Himmel, Arsch & Zwirn“. Beide Alben erscheinen am 20.01.2026 erstmals auf CD beim deutschen Label Sireena Records.


An die Gründung dieses Kult-Trios erinnert sich Hannes Bauer wie folgt: „1978 gründete ich die legendäre 3 Mann Band „Bauer, Garn & Dyke“. Das war ganz einfach: Roy Dyke, den Trommler, traf ich im Supermarkt beim Haferflocken kaufen und Tom Garn, den Bassisten fand ich in einer Fachzeitschrift unter der Rubrik MUSUGRU (Musiker sucht Gruppe). (Ganz so einfach war das natürlich nicht, ich habe in meinem lovely Hamburg natürlich schon lange nach dem richtigen Supermarkt suchen müssen, um Roy Dyke zu finden!) Frank Dostal sollte die Platte dazu produzieren, verlangte aber, dass ich deutsch singe. Nachdem ich ihm ausführlich erklärt hatte, dass man deutsch nicht singen könne und dass ich nicht Peter Kraus sei, meinte er, ich könne mir die Schallplatte an den Hut stecken. Punkt, Punkt, Punkt, kleiner Braincheck, ihr wisst schon was ich meine, so entstand aus der Bluesnummer „Rock Me Baby“ der Text „Ich hab Lust Baby“.

Daraufhin haben Frank, ich und ein Heer von Freizeitdichtern und Aushilfs-Bukowskis angefangen, die Wörter zu verbiegen, wenn’s sein musste, mit der Brechstange und dem Reim-Dich-oder-ich-fress-Dich-Lexikon, und heraus kam ein Haufen von witzigen Texten. Auch der „Laubfrisch-Blues“. 1978 kam unser erstes selbstausgedachtes Lieblingskind auf die Welt: Die Bauer, Garn & Dyke LP „Sturmfrei“. Das war nun aber der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit der Autobahn und dem Vergaser und dem ADAC. Die Auftritte in allen Dörfern und Städten Deutschlands nahmen überhand, wir fuhren mit unseren klapprigen Bandautos jedes Wochenende tausende von Kilometern zwischen Hamburg, Hamborn und Hammerfest hin und her. Wir wurden ein berühmter Insider-Tipp in der deutschen Clubszene und Großkunde bei Dunlop und Michelin.“

Die Wiederveröffentlichung erscheint Anfang 2026 in einem sechsseitigen Papersleeve, in dem humorvolle Linernotes von Frank Schäfer enthalten sind.

Hannes Bauer, Tom Garn und Roy Dyke waren ein echtes Powertrio. Auf ihrem Debüt präsentierten sie druckvollen Bluesrock mit deutschen Texten. Das zeigt sich schon im Opener „Laubfrosch Blues“, bei dem die Drei ordentlich abgehen. Der humorvolle, leicht frivole Text ist dem Zeitgeist geschuldet.

Im Bluesrocker „Sturmfrei“ zeigt sich dann, das die Drei ihren Text öfter mal Reim-Dich-oder-ich-fress-Dich-Stil geschrieben haben. Das muss dann auch nicht immer logisch sein, macht aber ziemlich viel Spaß und zündet auch heute noch.

Das Anfangsriff von „Lock’n Loll“ erinnert ein wenig an Foreigner’s „Hot Blooded“. Danach geht es mit straightem Rock weiter. Eine klasse Rocknummer zwischen Rock’n’Roll und melodischem Hardrock. Die Flitzefinger von Hannes Bauer fliegen zu Beginn des Stückes „Ich hau ab“ über die Saiten seiner Gitarre. Hier zeigt er welch guter Gitarrist er ist. Das ist druckvoller Bluesrock, der sich nicht vor den großen Namen verstecken musste. Und im Mittelteil legt Hannes auch noch eine Jodeleinlage hin, was den Humor der Band zeigt. Allein dieser Song zeigt, dass das Trio Ende der 70er Jahre erfolgreich war. Warum sie den großen Durchbruch nicht schafften ist für mich absolut unverständlich.

Etwas getragener und mit weniger Schmiss geht es dann im Song „Sibirien Bär“ zu. Vom Gesangsstil erinnert mich Hannes in diesem Lied an Achim Reichel in seiner Deutschrock-Phase, da er erzählerisch den Text intoniert.

In „Guitar Man“ wird dann das Tempo wieder angezogen. Dem Titel entsprechend sind hier einige sehr schöne Gitarrensoli enthalten. Berlinerisch wird es im Song „Da ha ick Bock druff“. So ein bisschen Lindenberg-Feeling kommt dann im Song „Billie“ auf. Und mit dem traditionellen Bluesrock „Ich hab Lust, Baby“ endet dieses grandiose Debütalbum des Powertrios.

Der Klang des Albums kommt recht trocken rüber, was aber sehr gut zu dem straighten Bluesrock passt.

Sireena Records hat schon wieder einen Schatz des Deutschrocks gehoben. Das Debütalbum von Bauer, Garn & Dyke sprüht nur so vor Spielwitz und druckvollem Bluesrock, der auch internationalen Standards locker standhielt. Ein großes Lob an das Label, dass sie dieses Album (und auch den Zweitling „Himmel, Arsch & Zwirn“) wiederveröffentlicht haben. Wer auf straighten Bluesrock steht, der sollte hier unbedingt zugreifen.

Stephan Schelle, Januar 2026

   

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