Planet Of The Arps - 2
 

Planet Of The Arps - 2
Deserted Island Music (2024)

(
10 Stücke, 53:44 Minuten Spielzeit)

Remy Stroomer, der als REMY seine elektronische Musik veröffentlicht, hat mit Planet Of The Arps ein weiteres Projekt aus der Taufe gehoben. Die Veröffentlichung des Albums zog sich über zwölf Jahre hin. Wie es zu dem Album gekommen ist, kann auf der Homepage des Labels nachgelesen werden. Die Story ist aber so interessant, so dass ich sie nachstehend präsentiere:

 


Im Juli 2010 nahm der Elektronikmusiker Remy Stroomer (alias REMY) die erste Version eines Ambient-Musikstücks auf. Es wurde zu einer einstündigen Reise, die in einigen Punkten vielleicht an das Solowerk des Komponisten erinnert, aber es wurde beschlossen, dieses Projekt als Ambient-Nebenprojekt zu präsentieren. Es sollte „Planet of the Arps“ heißen.

Der Name bezieht sich auf das musikalische Phänomen Arpeggio (unabhängig davon, ob es von einem Arpeggiator erzeugt wird oder nicht), Halton Arp und seinen Atlas of Peculiar Galaxies, Alan R. Pearlman und seine legendären ARP-Synthesizer, und es ist offensichtlich, dass er auch eine Anspielung auf die Science-Fiction-Reihe „Planet der Affen” ist.

Die Stücke auf dem Album entstanden in der Zeit zwischen August 2012 und März 2024. Die Stücke wurden von Remy Stroomer komponiert. Sie enthalten Auszüge aus Folge 1 von „Universe – The Cosmology Quest – The Electric Universe and Plasma Physics” (Vortrag von Halton Arp) und „Planet of the Arps”, aufgeführt von Remy Stroomer, Roksana Vikaluk (Ukraine) und Wolfram Spyra (Deutschland).

Sobald die erste Version des Musikstücks aufgenommen war, hatte Remy die Idee, einen befreundeten Musiker in dieses Projekt einzubeziehen, da er der Meinung war, dass es noch einer zusätzlichen Note bedurfte, bevor es schließlich veröffentlicht werden konnte. Als im Oktober 2010 das Ricochet Gathering in Berlin stattfand, bat Remy Wolfram Spyra, an diesem Ambient-Werk mitzuwirken. Obwohl „Der Spyra“ daran arbeiten wollte, schien es an Zeit zu mangeln, und vor allem hatten beide Künstler zu diesem Zeitpunkt andere Prioritäten. Das Projekt wurde vorerst auf Eis gelegt.

Als Remy am 15. September 2012 zu einem Auftritt im Zeiss-Planetarium in Bochum (Deutschland) eingeladen wurde, beschloss er, dieses besondere Musikstück aufzuführen. Einfach weil es perfekt zu diesem Ort passte. Es wurden einige Ergänzungen und Änderungen vorgenommen, und während dieses Solo-Konzerts entstand die Version 2.0. Dann vergingen fast zwei Jahre, bis Remy am 27. Juni 2014 einen Konzertabend in den Ruinen von Brederode in Santpoort-Zuid (Niederlande) organisierte. Für das LineUp engagierte Remy seine damalige Band Free Arts Lab sowie Wolfram Spyra. Zum Abschluss des Abends kam die Idee auf, eine Improvisation rund um eine bearbeitete Version von „Planet of the Arps” zu machen. Diese verlief jedoch anders, als Remy es sich vorgestellt hatte. Aufgrund der Umstände blieb keine Zeit, die gemeinsame Session zu proben, und kurz vor der Show wurde beschlossen, dass Spyras Partnerin und Sängerin Roksana Vikaluk mitmachen sollte. Das Ergebnis war eine 20-minütige Live-Version von „Planet of the Arps” in einer völlig improvisierten Umgebung. Sowohl musikalisch als auch atmosphärisch schien alles an seinen Platz zu fallen.

Danach dauerte es wieder eine Weile – mehr als vier Jahre –, bis beschlossen wurde, „Planet of the Arps“ in seiner aktuellen Form zu veröffentlichen: das Originalstück, remixt und ergänzt mit Elementen aus den Live-Auftritten. Betrachten wir es als ein Projekt, das diese Zeit brauchte, um sich zu entwickeln und zu der Version zu führen, die auf diesem „Planet of the Arps“ zu hören ist. „Planet of the Arps 2“ wurde am 21. Juni 2025 im Brüsseler Planetarium bei einer einmaligen Veranstaltung neben Albumpräsentationen von Rhea (Mark de Wit) und Synquentium (Peter Dekker) uraufgeführt.

Das Album beginnt mit dem mehr als zwölfminütigen „Intrinsic Redshift“. Da rattern und zirpen die Synthesizer zunächst sehr rau aus den Boxen in einem Stereoeffekt von links nach rechts und wieder zurück. Diese Stimmung wird gut drei Minuten unverändert durchgezogen, bis dann so langsam weitere Synthesizerklänge aufkommen, die zunächst rauschen, dann aber durch Flächensounds einen spacigen Charakter bekommen. Weitere Sounds und Sprachsamples kommen auf. Vor meinem geistigen Auge sehe ich dabei einige Bilder aus dem Beginn des Films „2001 - Odyssey im Weltraum“, wo der Monolith zu sehen ist. Remy erzeugt hier eine mystische Stimmung, die auch ein wenig bedrohlich wirkt.

Darauf folgt dann nahtlos das elfeinhalbminütige „Palomar Observatory“. Dies beginnt mit flächigen, spacigen Klängen. Diese sanfte Atmosphäre wird nur durch im Hintergrund aufkommende rhythmische Elemente durchzogen. Das besitzt einen hohen Spannungsbogen und bekommt dann ab der Hälfte etwas druckvollere Rhythmuselemente und Harmonien. Jetzt geht es auch in Richtung von atmosphärischen Soundtracks eines John Carpenters. So mäandert das Stück dann bis zu seinem Ende um nahtlos in das nächste Stück überzugehen.

Das ist dann das neunminütige „Fight For Telescope Time“. Hier tuckern zunächst die Synthesizer und werden mit außergewöhnlichen Klängen vermischt, die wie verfremdete oder rückwärts abgespielte Sprachsamples klingen. Dann setzt ein druckvoller, pulsierender Rhythmus ein. Das Stück wird nun von diesem druckvollen Rhythmus bestimmt, der fast schon in Richtung Industrial geht. Das kommt so richtig fett aus den Boxen.

Daran schließt das gut elfminütige „Atlas Of Perculiar Galaxies“ an. Hier hat Remy sehr moderne Klänge eingebaut. Das Stück geht durch seine treibende Rhythmussequenz und die tollen fetten Synthesizersounds, die eine Melodielinie erzeugen, sofort ins Ohr und fesselt vor den Boxen. Nach vier Minuten kommen dann weitere Synthesizerstimmen auf, die weitere harmonisch/melodische Elemente hinzufügen. Das Stück bekommt immer mehr Dynamik und Drive und ist für mich das Highlight des Albums.

Abgeschlossen wird das Album mit dem zehnminütigen „Max Planck Institute For Astrophysics“. Hier geht es dann wieder gemächlicher zu, was den spacigen Charakter unterstützt. Dafür sorgen dann auch einige Streichersounds.

Das Album Planets Of The Arps „2“ ist ein sehr abwechslungsreiches, spaciges Album. Neben recht ruhigen Passagen sticht vor allem das perkussive Stück „Atlas Of Perculiar Galaxies“ heraus, das für mich das Highlight darstellt.

Stephan Schelle, April 2026

 
   

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