Michael Brückner – An Expanse Of Drones
 

Michael Brückner – An Expanse Of Drones
Eigenvertrieb (2025)
(11 Stück, 156:18 Minuten Spielzeit)

Im September 2025 erschien das Album „An Experience Of Drones“ von Michael Brückner. Der vielseitige Elektronikmusiker experimentiert auf diesem Doppelalbum im wahrsten Sinne des Wortes mit Drones, die er erstellt hat und mit denen er dann Emotionen ausdrückt, die sich mit Erinnerungen, Trauer und Abschied befassen. Gewidmet hat er das Album seinem Freund Mathias Grassow, der viel zu früh gestorben ist.

 


Mir lag zur Besprechung die CDR-Version vor, die in einem Jewelcase mit vierseitigem Booklet erscheinen ist. Auf dem ersten Silberling finden sich sechs Stücke, auf dem zweiten dann noch einmal fünf weitere.

Der erste Track „The Cold Breath Of Dawn“, der mehr als 15 Minuten lang ist, besteht aus dunklen Dronesounds, die sich nur langsam verändern. Sporadisch baut Michael dann noch weitere Klänge mit ein. Das wirkt auf der einen Seite zwar recht ruhig, verbreitet aber auch eine etwas düstere Stimmung. Und das soll sich dann auch auf den anderen Stücken fortsetzen.

Das mehr als 14minütige „Breach“ hat zwar eine etwas andere Klangfarbe, reiht sich aber stimmungsmäßig an den Opener an. In diesem Stück verändern sich aber die Klänge etwas schneller als im Opener und mäandern langsam vor sich hin, nur von einigen helleren, harmonischen Klängen durchbrochen. Auch wird es im Verlauf etwas dynamischer und hat etwas Melancholisches an sich.

Ruhig fließt danach das 15minütige „Still Point“ dahin. Mit einer leicht wellenförmigen Form schweben die Klängen dabei durch den Raum. In der zweiten Hälfte kommen dann harmonische Flächen hinzu, die etwas heller wirken.

Das neuneinhalbminütige „Tenu“ startet mit brummenden Sounds. Darauf hat Michael dann eine weibliche Stimme gelegt, die einen Text (nach meiner Ansicht nach ist es französisch) legt. Die Klänge die sich anschließen sind aber recht kühl und industriell gehalten. Das hat eine leicht verstörende und unwirkliche Wirkung.

Darauf folgt das fast 15minütige „The Legend Of The Wood“, bei dessen pulsierendem Synthesizerrhythmus, der zu Beginn im Hintergrund liegt, ich erst einmal an Pink Floyd's „Welcome To The Machine“ denke. Schnell entwickelt sich aber eine ganz andere Stimmung daraus. Michael fügt nach wenigen Momenten einige harmonische Flächen hinzu. Das hat was sehnsuchtsvolles. Nach ein paar Minuten kommen aber rhythmische Elemente auf und machen aus diesem Stück nun einen eingängigeren Track, der auch durch flächige Harmonien (fast schon melodiös) für eine wohlige Stimmung sorgt. Für mich bis dato der beste Track des Albums.

Als Bonustrack hat Michael dann diesem ersten Silberling das achteinhalbminütige „Valley“ spendiert. Das geht auch gleich mit mehr Volumen und sich weit öffnenden Flächen los. Nach den eher ruhigen Drones wirkt das, als hätte man ein Fenster geöffnet und ein kräftiger Wind weht herein. Aber auch dieses Stück besteht hauptsächlich aus Drones und Stimmungsbildern, die über weite Strecken von einem pulsierenden Rhythmus unterlegt sind.

Der zweite Silberling startet dann mit dem mehr als 14minütigen „Plates Shifting“. Echohafte Klänge eröffnen dieses Stück, das kurz darauf aber auch einige kühle, industrielle Klangfarben bekommt. Das wirkt auch etwas futuristisch oder wie die Untermalung einer Weltraumszene. Die erste Hälfte des Stückes besteht aus diesen Stimmungsbildern. Erst danach kommt ein Rhythmus auf, der an Klaus Schulze's 70'er-Jahre-Phase erinnert. Stoisch zieht der Rhythmus dahin. Darauf setzt Michael dann einige Harmonien, so dass diese zweite Hälfte wesentlich eingängiger ist.

„Healer“ bietet dann atmosphärische Flächen, die im Verlauf durch einen sanften Rhythmus ergänzt werden, während „I Thought I’d Seen Your Eyes“ wieder etwas düsterer daherkommt. Allerdings hat Michael in dieses Stück auch einige sanfte Harmonien eingebaut. Das verströmt aber auch wieder eine melancholische Stimmung.

In „Into Dark Waters“ kommen neben Drones auch eingeworfene Pianotupfer auf. Im Verlauf geht es dann auch melodischer zu (mit Pianoklängen), es kommt ein Sequenzerrhythmus auf und Michael bewegt sich nun ein wenig im Rahmen der „Berliner Schule“.

Den Abschluss des Albums bestimmt dann der 18minütige Bonustrack „Never The Same River Twice“. Es beginnt mit rauschenden Klängen wie von fließendem Wasser. Darauf zeichnet Michael zunächst mit seinen Flächen und Klängen Stimmungsbilder. Ab der Mitte kommen dann Sequenzen und auch Melodielinien auf, die teilweise etwas hymnisches besitzen.

Der Elektronikmusiker Michael Brückner geht auf seinen zahlreichen Veröffentlichungen immer wieder unterschiedliche musikalische Wege. Auf „An Expanse Of Drones“ hat er mit der Erstellung und Erweiterung von Drones gearbeitet und zeichnet auf den meisten Stücken Stimmungsbilder, die unter anderem Erinnerungen, Trauer und Abschied zum Inhalt haben. Herausgekommen ist wieder ein spannendes Werk, dem man sich intensiv widmen muss.

Stephan Schelle, Februar 2026

 
   

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