Michael Brückner – A Sequence Of Colours
 

Michael Brückner – A Sequence Of Colours
Eigenvertrieb (2025)

(24 Stücke, 150:56 Minuten Spielzeit)

Der Elektronikmusiker Michael Brückner ist schon ein Phänomen. Trotz seines großen Outputs überrascht er immer wieder mit seiner Vielfältigkeit. So versteht er es die unterschiedlichsten Stilrichtungen in seine Elektronikmusik einzubinden, so dass es nie langweilig und vorhersehbar wird. Der Output von Michael Brückner ist mittlerweile so groß, dass er unüberschaubar geworden ist. Sein neuestes Werk, das auch als CDR veröffentlicht wurde, trägt den Titel „A Sequence Of Colours“.

 

 


Die ersten sieben Stücke („Part 1“ bis „Part 7“), die nahtlos ineinander übergehen und der achte Teil der dann an Position zehn kommt, stellen das achtteilige Titelstück „A Sequence Of Colours“ dar. Diese acht Stücke bringen es auf insgesamt fast 39 Minuten Spielzeit. Entstanden sind sie bereits im Jahr 2007, wurden aber in 2025 arrangiert und gemixt. Die restlichen Tracks auf dem Album hat Michael in 2025 erstellt.

Es beginnt auf dem ersten Silberling mit „A Sequence Of Colours - Part 1“. Anfangs sind fiebrige Klangmuster zu hören, die mich von der Klangfarbe auch an Soundtrackparts von „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ erinnern. Das sind aber nur Fragmente. Es dauert mehr als eine Minute, bis sich diese mystischen Klangmuster mit voluminösen Flächen verbinden und leichte Harmonien aufkommen. Insgesamt ein recht mysteriöser Beginn, der aber langsam an melodischer Kompetenz gewinnt.

In „Part 2“ geht es dann wesentlich harmonischer zur Sache. Schon die ersten Klänge bieten eine sehr schöne Atmosphäre, die nach wenigen Momenten durch einen ruhigen Drumrhythmus sowie Bassmotive ergänzt werden. Das hat was loungiges und entspannendes. Michael lässt dabei auch seine Synthesizer das ein oder andere Mal perlend durch den Raum gleiten.

In den ersten Minuten von „Part 3“ geht es zunächst wieder etwas mysteriös mit Klangskulpturen weiter. Sobald dann aber der Rhythmus einsetzt und erneut Synthesizerklänge aufkommen, die wie an einer Perlenschnur vorbeiziehen, ist wieder dieses loungige Flair da. Michael spendiert diesem Part aber noch eine hinreißende Melodielinie. Ein klasse Track.

In „Part 4“ wird der Rhythmus dann ein wenig angezogen und Klänge, die auch an Kraftwerk erinnern, kommen immer mal wieder auf. Ein wenig experimentell wird es dann im Mittelteil, um danach wieder in diesen faszinierenden, rhythmischen Teil überzugehen. Etwas besinnlicher zeigt sich „Part 5“. Die Stimmung wird aber in den einzelnen Parts beibehalten, so dass kein Bruch entsteht.

Flirrende Synthesizer kommen danach in „Part 6“ auf. Bestimmendes Element ist auch hier der knackige Rhythmus. Zum Ende hin geht es dann über in einen flächig/perlenden Teil, der eine relaxte Stimmung erzeugt. Mit dem eher ruhigen „Part 7“ endet dann zunächst der Titeltrack.

Der Synthesizerrhythmus vom folgenden „Sequential Blue“ erinnert ein wenig an Kraftwerks „Die Mensch Maschine“. Michael legt darauf aber seine eigene Melodiefolge. „Emerald Green“ beginnt dagegen zunächst recht sanft und melodisch, um danach in einen rhythmischen, melodischen Part zu wechseln, der gut ins Ohr geht. Ein sehr eingängiges Stück.

Nach zwei Stücken kommt dann der letzte Teil des Titelstücks, „A Sequence Of Colours - Part 8“, an die Reihe. Das ist ein abwechslungsreicher Track, der eine leicht jazzige Note besitzt und einen schönen Groove besitzt. Hier gehen sanfte Rhythmen mit flirrenden Synthesizerklängen eine Verbindung ein. Zwischendurch sind aber auch leicht experimentelle Passagen auszumachen.

„Glowing Like Gold“ beginnt recht ruhig und sanft mit flächigen Sounds. Auch ein paar Vangelis-Tupfer mit „Blade Runner“-Esprit hat Michael eingebaut. Sobald dann aber der Sequenzer einen Rhythmus vorgibt, ändert sich das Klangbild und wechselt in einen Stil, der ein wenig an Tangerine Dream erinnert, ohne diesen aber zu kopieren. Vor allem jetzt geht Michael äußerst melodisch ans Werk.

Das Stück „The Builder Of Rainbows“, das es auf fast 13 Minuten bringt, beschließt dann den ersten Silberling. Nach einem leicht spacigen Beginn wird es nach etwas mehr als einer Minute recht rhythmisch. Vor allem der basslastige Rhythmussound hat eine Menge Pep. Darauf setzt Michael dann noch eine schöne Melodielinie. Allein schon wegen diesem ersten Silberling ist für Freunde melodischer Elektronikmusik der Kauf empfehlenswert. Der zweite Silberling bietet aber noch mal ein Dutzend Stücke.

Auf dem zweiten Datenträger geht es dann mit „Prelude - Space 1975“ weiter. Das Stück beginnt mit einer Art von elektronischen Windgeräuschen, die mit einigen Soundtupfern versehen sind. Das wirkt zunächst wieder etwas experimentell und bekommt im Verlauf auch noch eine etwas düstere Atmosphäre.

Nahtlos schließt sich dann „Stepping Out“ an. Das Stück beginnt zunächst auch recht spacig und mysteriös, transformiert sich aber nach etwa einer Minute zu einem melodisch, rhythmischen Track. Ein ruhiges Stück, das in der Mitte dann durch Arpeggios in einen anderen, etwas rhythmischeren Part übergeht.

Danach setzt nahtlos „Nostalgia - Part 1“ an. Ein Teil eines fünfteiligen Tracks, dessen einzelne Parts über den zweiten Silberling verteilt sind. Ein angenehmer Rhythmus und eine schöne Melodielinie bestimmen in diesem Stück das Bild. Weiter geht es dann nahtlos mit „Venturing Into The Unknown“, das mit fast 14 Minuten der längste Track der zweiten CD ist. Es beginnt noch recht beschaulich, steigert sich vom Rhythmus aber immer mehr und mündet in einen Part, in dem die Sequenzerrhythmen den Takt bestimmen und Michael darauf sehr schöne Melodielinien setzt. Damit öffnet er weite Klangräume.

„Nostalgia - Part 2“ startet mit herrlichen, basslastigen Synthesizerklängen, die von hellen Klängen des Leadsynthies mit einer Melodielinie versehen sind. Diese docken an das vorangegangene Stück an. So mäandert das Stück bis zu seinem Ende dahin. Darauf folgt dann nahtlos „Weightless“, das es ebenfalls auf mehr als 13 Minuten Spielzeit bringt. Michael geht in diesem Longtrack auch wieder recht rhythmisch zur Sache und führt die Stimmung der vorangegangenen Tracks weiter. Man wird von diesen hypnotischen Sounds förmlich umgarnt. Der Rhythmus ändert sich nur marginal und wird im Stück „Nostalgia - Part 3“ ähnlich fortgeführt. Es kommen aber weitere Klangmuster und Harmonien auf.

„Navigating The Zone“ heißt der nächste Track, der mit perlenden Sequenzerrhythmen aufwartet. Die zunächst noch recht ruhigen Harmonien werden schnell von Arpeggios abgelöst. Es kommen auch ein paar disharmonische Klänge in diesem Stück auf, das wie ein Zwischenspiel wirkt. „Nostalgia - Part 4“ hat zu Beginn eine Stimmung wie bei einem John Carpenter Film bzw. Soundtrack. Doch nach wenigen Momenten kommt die Klangästhetik der vorhergehenden Parts von „Nostalgia“ auf und erweitert diese noch. Ein tolles Stück, das wieder Klangräume durch die Sounds und eine schöne Melodie öffnet.

„Dangerous Landing“ wirkt mystisch und spacig zugleich, während „Nostalgia - Part 5“ das Flair der vorangegangenen Parts weiterführt. Das Album wird dann mit „Epilogue - Space 2025“ abgeschlossen. In diesem letzten Track hat Michael wieder - wie schon mit dem Eröffnungsstück auf CD 1 - Klangskulpturen erstellt.

Es ist wirklich bemerkenswert welche musikalische Bandbreite die Veröffentlichungen von Michael Brückner besitzen. Auf dem neuesten Werk, „A Sequence Of Colours“, geht Michael sehr melodisch und rhythmisch ans Werk. Ein ums andere Mal scheinen Acts wie Kraftwerk oder Tangerine Dream durch, ohne dass er diese aber nachahmt. Michael besitzt vielmehr einen eigenen Stil, den er lediglich mit einigen Zitaten oder Sounds der Vorbilder würzt. Ein klasse Album.

Stephan Schelle, Dezember 2025

 
   

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