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Enigmatic Obsession - The Byzantine Empire Enigmatic Obsession ist das Musikprojekt des international erfolgreichen Musikproduzenten, Komponisten, Gitarristen und Schlagzeugers Jens Gad aus München. Da er neben Michael Cretu einer der beiden Köpfe des erfolgreichen Musikprojektes Enigma war, kam auch der ähnliche Projektname Enigmatic Obsession zustande. Bereits im Jahr 2005 veröffentlichte er das Album „Secrets Of Seduction“, das letztes Jahr in einer überarbeiteten Version unter dem Titel „Secrets Of Seduction 2025“ erschienen ist. |
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Thematisch ist das Album von der mystischen Aura des Byzantinischen Reiches inspiriert – jenem geheimnisvollen Schmelzpunkt von Ost und West, Geist und Imperium, Licht und Vergänglichkeit. Aus dem schwindenden Glanz Roms geboren, erhob sich Byzanz wie eine leuchtende Flamme aus Weihrauch, Gold und Stille. Diese poetische Bildwelt spiegelt sich in der Musik wider: ein meditatives Echo von Geschichte, Spiritualität und zeitloser Schönheit. Stilistisch bewegt sich Enigmatic Obsession erneut zwischen Ambient, Ethno und Chill, getragen von sanften Beats, sphärischen Klangflächen und organischen Arrangements. Akustische Instrumente wie Flöten, Gitarren, Piano und dezente Percussion verschmelzen mit gefilterten Vocals, klassischem Gesang und spanischsprachigen Elementen. Gregorianisch anmutende Harmonien, schwebende Stimmen und atmosphärische Übergänge verweisen klar auf die ikonische Enigma-Ästhetik, ohne sie zu kopieren – vielmehr wird sie weitergedacht und in einen modernen, warmen Soundkontext übertragen. Das Album wird eingerahmt von den beiden Stücken „The Rise Of The Empire (876 A.D.)“ und „The Fall Of The Empire (1453 A.D.)“ die den Aufstieg und den Fall des Imperiums beschreiben und bei denen atmosphärische Keyboardsounds, Gitarren und eine weibliche Stimme sanft und mit Hall versehen einen Text spricht. Dementsprechend wirkt das Album sehr kompakt und wie ein Konzeptwerk, auch wenn der Großteil der Musik keinen Text bzw. Sprache enthält. Schon zu Beginn kommen dabei auch die typischen Enigma-Sounds zum Tragen. Das erste richtige Stück ist das vierminütige „Deseëis Mosaic“. Hier kommen zunächst flächige Sounds und ein verhallter Frauengesang, der wirkt, als sei er in einer Kirche aufgenommen worden, auf. Die eingestreuten Gitarrenpassagen sorgen für ein leichtes Progfeeling, was sich später noch verstärken soll. Die sanfte Melodie und der weibliche Gesang sowie dezente Perkussion lassen das Stück recht monumental klingen. Ein sehr schönes Stück - das wie auch die anderen Stücke - deutlich den Spirit von Enigma atmet. Weiter geht es mit dem vierminütigen „The Monasteries of Mt Athos“. In diesem Stück kommt dann weiblicher Gesang auf, der nach Nahem Osten klingt. Das ist zunächst recht atmosphärisch, wechselt im Mittelteil aber in einen rhythmischen Part in dem jetzt eine weibliche Stimme einen Text spricht. Das endet dann wie es begonnen hat. Ein sehr schöner Rhythmus, der in die Mittelmeerregion verweist und atmosphärische Sounds, sowie lautmalerischer Gesang bestimmen dann das Bild von „Third Eye...unseen“. Sehr ruhig und ambient mit sich leicht veränderndem Klang, in den sich zunächst Vogelgezwitscher, Schreie und Wassergeräusche mischen, zeigt sich dann das Stück „Aureus“. Das bekommt dann im Verlauf einen unwiderstehlichen Rhythmus. Während die Grundstimmung gleich bleibt, mischen immer wieder wiederholende und auch unterschiedliche Klänge in die Struktur. Das hat was Fesselndes und Magisches. Ebenfalls recht rhythmisch ist „The Theodosian Walls“ angelegt und trägt wieder deutlich die Handschrift der Enigma-Produktionen. Asiatische Klänge kommen dann zunächst in „Haga Sophia“ auf. Ein sehr besinnliches Stück, in dem die Frauenstimme zunächst sehr emotional wirkt, dann aber voller Dynamik rüberkommt. Dann werden auch Flötenklänge eingefügt und der Rhythmus zieht ebenfalls an. Ein tolles Stück, das vor allem im zweiten Drittel durch ein grandioses Gitarrensolo glänzt. Das erinnert auch ein wenig an die Solowerke von David Gilmour. Dann geht es im Stück „Diocletain's Tetrarchy“ mit akzentuiertem Rhythmus und nun einer männlichen Stimme, die kurz einen Text einbringt, weiter. Zum Ende hin wird es mit Pianoklängen gar etwas jazzig. Der Rhythmus im Track „The Apse“ hat leicht afrikanische Züge. Eine weibliche Stimme flüstert in dem Stück erneut einen Text. Im letzten Viertel kommt dann eine sehnsuchtsvolle Passage auf. Im Stück „Bueyuek Saray“ sorgen vor allem ein markanter, fetter Bass sowie die E-Gitarre für Gänsehaut. Eine kehlige Stimme und nahöstlicher Gesang mit viel Enigma-Esprit sind die Hauptzutaten des Stückes „Bishop of Chimara“. In der Mitte kommt dann erneut ein Gänsehaut treibendes Gitarrensolo auf, das für meinen Geschmack aber gerne hätte länger ausfallen dürfen. „The Fall Of The Empire (1453 A.D.)“ beschließt dann das Album, wie es musikalisch begonnen hat und schließt so den Kreis. „The Byzantine Empire“ von Enigmatic Obsession, hinter dem der Multiinstrumentalist Jens Gad steckt, ist ein sehr atmosphärisches Album mit herrlichen Melodien, ganz im Spirit der Enigma-Werke. Das ist auch kein Wunder, war Jens Gad neben Michael Cretu doch auch einer der kreativen Köpfe von Enigma. Stephan Schelle, März 2026 |
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