Däcker - Pareidolia
 

Däcker - Pareidolia
Deserted Island Music (2020)

(5 Stücke, 63:19  Minuten Spielzeit)

Obwohl der Niederländer Peter Dekker seit Anfang der 90er Jahre unabhängig Musik veröffentlicht, erschien Däckers erstes offizielles CD-Album „Pareidolia“ erst 2020 bei Deserted Island Music. Die Grundlage für dieses Album wurde 2018 als Improvisation aufgenommen. Mit diesem Album gewinnt Peter den ersten Preis in der Kategorie „Entdeckung des Jahres 2020” bei den deutschen Schallwelle Awards.

 


Pareidolie ist die Tendenz, einen Reiz fälschlicherweise als ein dem Betrachter bekanntes Objekt, Muster oder eine Bedeutung wahrzunehmen, beispielsweise Formen in Wolken zu sehen, Gesichter in leblosen Objekten oder abstrakten Mustern zu erkennen oder versteckte Botschaften in Musik zu hören.

Die Grundlage für die Musik auf diesem Album wurde an einem schönen Sonntag im August 2018 von Peter Dekker improvisiert/komponiert/aufgenommen. Die Vorbereitung des ersten Titels nahm zunächst den größten Teil des Nachmittags in Anspruch. Nach der Aufnahme dieses Tracks blieb Peters kreative Stimmung bestehen, und im Laufe des Abends wurden die anderen Stücke spontan komponiert und aufgenommen.

Die CD erschien in einem vierseitigen Papersleeve. Die fünf Stücke auf dem Album beruhen zum Großteil auf Aufnahmen, die die NASA von der Marsoberfläche gemacht hat. Am bekanntesten ist dabei sicherlich das Gesicht auf dem Mars, dem auch schon Mark Dwane sein Album „The Monuments Of Mars“ gewidmet hat.

Das erste Stück „Female Figure“ (24:25 Minuten) ist einer Formation gewidmet, die wie eine Frauengestalt wirkt. Mysteriöse verformte Klänge leiten in diesen Longtrack hinein. Das wirkt durch die flirrenden Klangskulpturen zunächst etwas experimentell. Und doch lugen Harmonien in diesen Klängen hervor. Dann nach gut zwei Minuten kommen hellere Flächen auf, die ein verschwommenes Bild wie bei einer Fata Morgana darstellen. Diese Phase transformiert sich dann nach wenigen Momenten zu einem flächigen, teils Orgelähnlichen, monumentalen Sound. Nach mehr als zehn Minuten kommt dann ein Sequenzerrhythmus auf, der das Stück nun in einen unwiderstehlichen Part überführt. Das ist pulsierend und flächig zugleich. Darauf setzt Däcker dann eine Melodielinie. Hier ist jetzt die Nähe zur „Berliner Schule“ und auch zur „Eindhovener Schule“ erkennbar.

Das mehr als 13minütige „The Elephant“ widmet sich einem Umriss auf der Marsoberfläche, der wie ein  Elefantenkopf aussieht. Es beginnt mit einer simplen Melodiefolge, wie auf einer Art Vibraphon (mit indischem Flair) gespielt. Dann kommt eine sanfte Melodie auf. Nach einigen Augenblicken kommen dröhnende Klänge hinzu, die dem Stück mehr Volumen verleihen. Der Track wird von dieser Melodielinie bestimmt, die sich im Verlauf entwickelt.

Die Grundlage für das fast fünfminütige „Mercury Man“ ist eine Aufnahme, die wie ein liegender Körper auf dem Merkur aufgenommen wurde. Flächig startet das Stück und gleitet dann in eine sanfte Melodie über, die nach einigen Momenten durch perlende Klänge ergänzt wird.

Mit Donnergrollen startet dann das mehr als 15minütige „Face On Mars“. Dann kommen weite Flächen auf, in die sich eine langsam entwickelnde Melodielinie zeichnet. So schwebt der Track in den ersten Minuten dahin bis nach gut fünf Minuten ein treibender Rhythmus einsetzt. Hier hat Däcker mehrere Schichten aufeinander gelegt. Immer wieder durchbricht Donnergrollen diese Szenerie. Nach gut acht Minuten kommt dann ein weiterer, treibender Sequenzerryhthmus auf und Däcker lässt zusätzlich die Synthesizer zischen. In diesem Stück lebt Däcker seine sehr druckvolle Variante der Elektronikmusik aus. Das geht in den dynamischen Bereichen auch ein wenig in Richtung Darkwave.

Zum Abschluss gibt es dann das fünfminütige „The Dragon“, das mit hallenden Sounds, die auch wie Wind klingen, beginnt. Diese „windigen“ Klänge werden dann mit einer Melodielinie vermischt.

„Pareidolia“ von Däcker aka Peter Dekker ist ein spaciges Werk, das Aufnahmen der NASA zur Grundlage genommen hat, aus denen man Formen, Körper oder Gesichter interpretieren kann. Dies führte schon zu reichlich Spekulationen. Musikalisch wurden diese Phänomene gut von Däcker umgesetzt. Freunde der spacigen Elektronikmusik bekommen hier guten Stoff.

Stephan Schelle, April 2026

 
   

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