Bernd-Michael Land - Juice
 

Bernd-Michael Land - Juice
Elektro Kartell (2026)

(11 Stücke, 73:35  Minuten Spielzeit)

Das neueste Werk des Elektronikmusikers Bernd-Michael Land beschäftigt sich nach „Behind The Blue Moon“, „Zero Gravity“ und „Die Mondlandung – 50th Anniversary“ wieder mit einer Weltraummission. Dieses Mal geht es um eine Raumsonde der ESA, die der Erforschung des äußeren Sonnensystems dient. „Juice“ nennt sich das neue Werk und ist die Abkürzung für „JUpiter ICy moons Explorer“. Im sehr schönen, 28seitigen Booklet werden zu der Mission und der Musik reichlich Infos gegeben. Das ist bei Bernd-Michael Land mittlerweile Standard und sehr lobenswert.

 


Im Booklet heißt es unter anderem:

Das Hauptziel der Mission ist das Jupitersystem, insbesondere der Eismonde Ganymed, Europa und Kallisto um herauszufinden, ob die Jupitermonde Bedingungen bieten könnten, unter denen Leben theoretisch möglich wäre.

JUICE wurde am 14.04.2023 an Bord einer Ariane-5 vom Weltraumbahnhof Kourou gestartet. Die Ankunft ist nach einer 8-jährigen Reise für Juli 2031 geplant.

Über das Projekt sagt Bernd-Michael Land: „Für mich ist der Blick zu den Sternen ein Blick in die Vergangenheit und zugleich eine Reise in eine unendliche Zukunft.“

Thematisch orientiert sich dieses kosmische Album an einer Klangreise zu den Monden des Planeten Jupiter. Während ESA und NASA ihr authentisches Rohmaterial extraterrestrischer Datensätze für Forschungszwecke zur Verfügung stellen, verfolgt Bernd-Michael Land einen dezidiert synthetischen Ansatz. Statt auf „Fieldrecordings aus dem All“ zurückzugreifen, nutzt er das Verfahren der kreativen Sonifikation (Jeder Planet sendet komplexe elektromagnetische Signale aus, an denen man den jeweiligen Planeten erkennen kann. Diese kann man in hörbare Töne umwandeln). Hierbei werden die physikalischen Messwerte nicht nur akustisch wiedergegeben, sondern in einen kohärenten musikalischen Kontext transferiert.

Elf Stücke mit Laufzeiten von 4:23 bis 11:57 Minuten Spielzeit finden sich auf dem Silberling. Dabei ist jeder davon nach einem Himmelkörper benannt.

Gestartet wird mit dem 5:51minütigen „Europa“, das mit anschwellenden Synthesizerklängen beginnt, die sich nach kurzem in dröhnende Klänge wandeln. Bernd-Michael hat hier mystische Klänge erstellt, die auch mal leise aus dem Hintergrund treten und dann dynamisch in den Vordergrund wandern. Das wirkt recht spacig und man kann sich dabei gut ins Weltall versetzen. Am Ende kommen dann recht surreale, rhythmische Klänge auf.

Sanfte, flächige Harmonien ziehen am Anfang vom sechsminütigen „Amalthea“ auf. Das klingt recht harmonisch und mysteriös zugleich, eröffnet aber auch eine klangliche Weite, die das All gut widerspiegelt. Nach einigen Minuten kommen bedrohlich wirkende Klänge auf, die surreal wirken.

Perlende Klänge und Harmonien starten das folgende viereinhalbminütige „Ganymed“. Dieser Track zieht mit stoischen Klangmustern, die von einigen sehnsuchtsvollen Einschüben (klingt fast wie elektronische Walgesänge) durchzogen sind, durch den Raum. Mit fast zwölf Minuten ist „Kallisto“ der längste Track des Albums. Hier schmeißt Bernd-Michael nach einigen Momenten den Sequenzer an, der nun einen stoischen Rhythmus vorgibt. Dies wird dann auch mal durch rauschende Klänge durchbrochen. Insgesamt aber ein sehr rhythmischer Track.

Das siebenminütige „Io“ zeigt sich dann wieder von einer recht surrealen Seite. Hier rauschen die Synthies auch ein ums andere Mal. Erst zum Ende hin wird es dann harmonischer mit Echohaften Klängen. „Pasiphae“ setzt dann wieder mehr auf rhythmische Elemente. Nach einigen Momenten kommen dann Harmonien auf, die immer mal wieder kurz durchscheinen, genau so wie weitere Klangtupfer. Im Kern ist aber der Grundrhythmus das tonangebende Element.

Weite Flächen eröffnen dann das fünfminütige „Elara“. Es dauert aber nur kurz bis dann eine Art synthetisch erzeugte Uhrenglockenschläge in einen weiteren Part überleiten, der nun wieder bedrohlich wirkende Synthesizerklänge bietet. Das wechselt sich dann ab und geht auch in einen Part über, in dem das Rauschen wieder recht dominant ist. Darüber hinaus hat Bernd-Michael einige Effekte eingebaut, was zusammen gedanklich in eine Fremde Welt führt.

Im neunminütigen „Himalia“ sorgt dann ein Sequenzerrhythmus wieder für richtig Drive. Dazu kommen teils flächige, teils etwas härtere Sounds. Auf das rhythmische Grundmuster legt Bernd-Michael dann weitere Effekte und Klänge, was recht spannend wirkt.

„Sinope“ besteht dann zum größten Teil aus rauschenden Klängen und wirkt recht surreal. Das abschließende „Carme“ ist dann wieder harmonischer und rhythmischer gestaltet. Aber auch hier steht der Grundrhythmus im Vordergrund und wird durch klangliche Einschübe erweitert.

Bernd-Michael Land schafft es auf seinem neuesten Album „Juice“ die Hörer auf eine Reise mit der Raumsonde Juice zum Jupiter und ihren Monden mitzunehmen. Die Klangkonstellationen beinhalten zwar keine Melodielinien, sind aber meist sehr harmonisch aufgebaut und bieten außergewöhnliche Sounds. So entstehen beim Hören vor dem inneren Auge Bilder unseres Sonnensystems und Oberflächen anderer Himmelskörper.

Stephan Schelle, März 2026

 
   

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